Das Gebaren der US-Fondsmanager bringt den deutschen Versicherer Allianz unter Druck. Nach einer Gewinnwarnung sackte der Kurs ab.

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Es ist, als ob sich die Geschichte für den Versicherungskonzern Allianz gerade wiederholt. Am Montag gab das Unternehmen eine für den Markt völlig überraschende Gewinnwarnung heraus. Demnach drohen dem deutschen Versicherungskonzern Belastungen aus dem US-Vermögensverwaltungsgeschäft. Mehrere Großinvestoren – etwa die Lehrer-Pensionskasse von Arkansas, die New Yorker Metro und die Gewerkschaft Teamsters – haben gegen die in Florida ansässigen Structured Alpha Fonds von Allianz Global Investors (AGI) Klage eingereicht. Sie werfen AGI vor, in der Frühphase der Pandemie eine rücksichtslose Strategie verfolgt zu haben, die zu Milliardenverlusten geführt habe.

Zu hohes Risiko

Die US-Wertpapierbehörde SEC untersucht diese Vorwürfe. Nun hat sich auch das US-Justizministerium eingeschaltet und eine Untersuchung im Zusammenhang mit diesen Fonds eingeleitet. In Summe ist damit ein relevantes Risiko für den Versicherer entstanden, daher erfolgte die Gewinnwarnung. Die Aktie ging auf Talfahrt und verlor in der Spitze bis zu zehn Prozent.

Infolge der Klagen und der Untersuchung könnte die Allianz zu Straf- oder Vergleichszahlungen verurteilt werden. Bei AGI gibt man zu bedenken, dass die Kläger erfahrene Investoren seien, die sich bewusst für hochriskante Privatfonds entschieden hätten. Der Versicherungskonzern teilte zudem mit, dass mit der SEC und dem Justizministerium kooperiert werde, damit die Angelegenheit rasch überprüft und geklärt werden könne. Erhebliche Auswirkungen auf das künftige Finanzergebnis könnten jedenfalls nicht ausgeschlossen werden, teilte der Allianz-Vorstand mit. Eine Rückstellung für den Prozess sei noch nicht gebildet worden, weil nicht absehbar sei, wann die Verfahren abgeschlossen sein würden und ob und wie hoch Strafen sein könnten. Das "Handelsblatt" berichtet, dass branchenintern von Forderungen von bis zu sechs Milliarden Dollar die Rede sei, die aus dem laufenden Verfahren auf den Versicherer zukommen könnten. Weitere Klagen seien ebenfalls nicht auszuschließen.

Blick in die Vergangenheit

In Summe ist das eine Situation, die man bei der Allianz gut kennt. Vor 19 Jahren – fast auf den Tag genau – musste der Versicherungskonzern seine Anleger ebenfalls warnen, dass die damalige Prognose von einem Jahresgewinn von drei Milliarden Euro nicht halten werde. Damals stürzte der Kurs der Allianz-Aktien um rund elf Prozent ab. Der Versicherer kündigte damals ein umfassendes Sanierungskonzept für die Dresdner Bank an, die für den Großteil des Quartalsverlustes verantwortlich war, wodurch die Konzernprognose ins Wanken geraten war.

Kommenden Freitag wird Allianz-Chef Oliver Bäte die aktuellen Bilanzzahlen des Versicherungskonzerns vorlegen. Analysten erwarten sich dann auch eine erste Einschätzung zur Lage. (bpf, 4.8.2021)