Diebe nutzten Renovierung von US-Residenz in Wien

US-Marines und das heimische Bundesheer waren vom Objektschutz abgezogen, weil Villa gerade unbewohnt war. Der Verfassungsschutz ermittelt

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Der Heereseinsatz zum Schutz von Botschaftsgebäuden wurde zwar verlängert, doch die von Dieben heimgesuchte US-Residenz in Wien war gerade unbewohnt – deshalb standen keine Soldaten davor.

Foto: APA/Fohringer

Wien – Wo waren die US-Marines? Wo war der österreichische Diplomatenschutz? Diese Fragen stellen sich im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Einbruchsdiebstahl in einer Residenz der US-Botschaft in Wien. Laut "Kronen Zeitung" sollen ein wertvoller Gobelin weggekommen und eine Stehlampe angezündet worden sein. Die Polizei bestätigte am Mittwoch auf Anfrage des STANDARD, dass der Wiener Verfassungsschutz ermittelt.

Verletzt wurde niemand. Zur vermutlichen Tatzeit am vergangenen Wochenende war gar niemand zu Hause. In der Villa wohnte zuletzt der Geschäftsträger der US-Botschaft, also die diplomatische Nummer zwei der US-Vertretung in Wien, der aber im Zuge des bevorstehenden Wechsels der Botschaftsbesetzung Wien bereits verlassen hat.

US-Präsident Joe Biden hat Victoria Kennedy, die Witwe des früheren US-Senators Ted Kennedy, als neue Botschafterin für Wien nominiert. Der Vorschlag des Weißen Hauses muss noch vom US-Senat bestätigt werden.

Heereseinsatz in Wien verlängert

Die leerstehende Residenz, in der gerade Renovierungsarbeiten für die künftigen Bewohner stattfinden, stand also nicht auf der Prioritätsliste der Objekt- und Personenschützer. Üblicherweise sorgen in amerikanischen Auslandsvertretungen die US-Marines für Sicherheit, genauer die 1948 gegründete Marine Embassy Guard (MEG). Wäre das Gebäude bewohnt gewesen, hätte auch das heimische Militär eine Wache abgestellt, denn der Assistenzeinsatz des Bundesheeres für den Objektschutz in Wien wurde erst kürzlich bis Herbst verlängert. Nach Auskunft der Polizei werden derzeit 53 Objekte von Soldatinnen und Soldaten bewacht. Für die US-Residenz gab es zuletzt keine Anforderung.

Vermutlich war wegen der Renovierungsarbeiten auch die Alarmanlage zumindest teilweise ausgeschaltet. Es soll aber Aufzeichnungen der Videoüberwachung geben. Nähere Details dazu gab es nicht.

Einbrüche gingen in Wien zuletzt stark zurück. Corona und Lockdowns führten im Vorjahr verglichen mit 2019 bei Wohnungseinbrüchen zu einem Minus von 38 Prozent auf 3.258 Fälle, Einbrüche in Wohnhäuser gingen um ein Viertel auf 658 angezeigte Fälle zurück. (Michael Simoner, 4.8.2021)

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