Die Bronzemedaille für eine überglückliche Bettina Plank.

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Nach der Niederlage zum Auftakt lief es in den drei weiteren Pool-Fights gut für die 29-Jährige.

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Erst im Halbfinale musste sich die Vorarlbergerin in einem spektakulären Kampf gegen die Bulgarin Iwet Goranowa geschlagen geben.

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Eine erfolgreiche Fußwatsche reichte leider nicht fürs Finale.

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Look
If you had
One shot
Or one opportunity
To seize everything you ever wanted
In one moment
Would you capture it
Or just let it slip?

– Eminem, "Lose Yourself"

Bettina Plank hatte nur diese eine Chance. Karate stattet den Olympischen Spielen einen Kurzbesuch ab, der Sport ist für Paris 2024 schon wieder aus dem Programm geflogen. In keinem anderen Sport ist die jahrelange Vorbereitung so sehr auf einen Bewerb konzentriert. Ließe sich einmalig steigern, so könnte eine Chance nicht einmaliger sein. Also, fragt Eminem in Lose Yourself, einem der erfolgreichsten Hip-Hop-Lieder aller Zeiten: Würdest du sie nutzen?

Bettina Plank: "Ja." Die 29-jährige Vorarlbergerin kämpfte sich im ehrwürdigen Budōkan in einem enorm engen Bewerb der 55-kg-Klasse zu Bronze. Mit zwei Siegen, einer Niederlage und einem Unentschieden hatte sie als Zweite im Fünferpool den Aufstieg geschafft. Sie begann mit einer 2:6-Niederlage gegen die japanische 2018-Weltmeisterin Miho Miyahara, ließ dann aber einen 4:3-Erfolg gegen die Kasachin Moldir Schangbyrbay folgen. Dann gab es ein 0:0 gegen die Ukrainerin Anschelika Terliuga und ein 3:1 gegen die Ägypterin Radwa Sayed. Und es hieß auf den Ausgang des Duells Terliuga gegen Miyahara warten. Terliuga leistete Schützenhilfe, Plank war Gruppenzweite, hatte eine Medaille fix und konnte ihr Glück kaum fassen: "Mega, das ist so unreal."

Alles getan

Im Halbfinale gegen die spätere Olympiasiegerin Iwet Goranowa aus Bulgarien lag die Europameisterin von 2015 und zweimalige WM-Dritte flott 0:3 zurück. Mit einem Ippon, der im Karate anders als im Judo nicht das Ende des Kampfes bedeutet, glich sie aus. Doch Goronowa konnte kontern und siegte 4:3. "Sie war sehr souverän. Es ist für sie ausgegangen, aber ich kann sagen, ich habe alles getan, was ich konnte", erklärte Plank. Gorona siegte im Finale gegen Terliuga.

Es war Österreichs sechste Medaille in Tokio, die siebente sollte der Kletterer Jakob Schubert wenig später folgen lassen. Bronze gewannen auch schon Shamil Borchashvili im Judo, Magdalena Lobnig im Rudern und Lukas Weißhaidinger im Diskuswurf. Silber gab es für Michaela Polleres im Judo. Gold holte Anna Kiesenhofer im Radstraßenrennen.

"Es war happig"

Damit ließ sich bereits vier Tage vor der Schlussfeier sagen, dass Österreich seit 1945 nie mehr Medaillen geholt hat als diesmal. In Athen 2004 stand das Team am Ende ebenfalls mit siebenmal Edelmetall da, damals war allerdings die Gold-Ausbeute etwas größer. Seit 1896 hat Österreich auch nur ein einziges Mal besser abgeschnitten, nämlich 1936 in Berlin mit 13 Medaillen.

Einen großen Teil der Arbeit hatte Plank schon lange vor der Eröffnungsfeier geleistet. Bei nur zehn Teilnehmerinnen musste das Qualifikationsverfahren zwangsläufig unbarmherzig sein. Darauf kam sie im Interview mit der Austria Presse Agentur (APA) unmittelbar nach dem Bewerb denn auch gleich zu sprechen: "Es war wirklich happig, dass ich überhaupt hier auf dieser Matte stehen darf. Deshalb glaube ich es gar nicht, dass ich eine Medaille geschafft habe."

"Ich habe geweint"

Die Saison war für Plank alles andere denn erfreulich verlaufen. "Ich hatte überhaupt kein Vertrauen mehr in mich. Ich habe es einfach nicht auf die Matte gebracht." Eigentlich hatte sie das Ticket nach Tokio fast abgeschrieben. Und auch als sie es doch noch gelöst hatte, stellte sich weder Vorfreude noch Zuversicht ein. "Als ich erfuhr, ich bin qualifiziert, habe ich mich nicht gefreut. Ich habe geweint, weil ich gesagt habe, ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich mag nicht mehr. Ich war am Tiefpunkt. Dann hab’ ich mir gesagt: Ich habe acht Wochen. Ich habe jeden Tag alles gegeben, damit ich sagen kann, egal, was am Tag X rauskommt, ich habe alles dafür getan."

In Tokio waren die Klassen bis 50 und bis 55 Kilo zusammengelegt worden. Die schwereren waren klar im Vorteil, Plank war die einzige 50er-Kämpferin im Halbfinale. Die einzige mit einer Medaille. (Fritz Neumann, Martin Schauhuber, 5.8.2021)

Steckbrief von Bettina Plank (29)

Geboren: 24. Februar 1992 in Feldkirch
Wohnort: Feldkirch, Linz
Beruf: Heeressportlerin Verein: Karate-do Wels
Disziplin: Kumite bis 50 Kilogramm, bei Olympia bis 55 Kilogramm
Trainer: Juan Luis Benitez Cardenes (ESP/Bundestrainer Kumite)
Website: bettinaplank.at

Größte Erfolge:
* Olympia: Bronze Tokio 2021 (2020)
* WM: Bronze 2016 und 2018
* EM: Gold 2015, Silber 2018 und 2019
* European Games: Gold 2019, Silber 2015