Mit wenigen Handgriffen ist ein dummes Schloss umgerüstet und lässt sich mittels Smartphone auf- und zusperren.

Foto: Daniel Koller

Graz – Ein Smartphone dient mittlerweile als Universalgerät für alles Mögliche. Das Grazer Start-up Nuki verwandelt es zum Beispiel auch zu einem Haustürschlüssel. So richtig weit verbreitet ist das System der smarten Türschlösser noch nicht, mit 20 Millionen Euro aus einer aktuellen Finanzierungsrunde will das Unternehmen das ändern.

Seit 2014 entwickelt Nuki smarte Türschlösser, die sich als Nachrüstlösung an jeder Tür mit einem gängigen Zylinderschloss anbringen lassen. Via WLAN oder Bluetooth lässt sich das Schloss auch aus der Ferne versperren, zum Beispiel, um Airbnb-Gästen den Zugang zu ermöglichen.

Knapp 20 Prozent gehen an Cipio Partners

Die Finanzspritze kommt von dem Risikokapitalgeber Cipio Partners aus Deutschland, der dafür knapp 20 Prozent der Firmenanteile erhält. Ebenfalls beteiligen sich an dieser Runde die bestehenden Investoren Up to Eleven, Fortuna und Venta. "Der Markt ist groß, nur rund ein Prozent der Türschlösser hat bisher eine smarte Komponente", sagt Nuki-Geschäftsführer Martin Pansy im Gespräch mit dem STANDARD. Man sei bereits Marktführer und wolle diese Stellung nun festigen. Das frische Geld soll in eine Marketingoffensive fließen und zur Produktverbesserung dienen.

Wer seinem herkömmlichen Türschloss Intelligenz einhauchen möchte, muss 349 Euro in die Hand nehmen. Dafür gibt es die Kombination aus Schloss, Opener und Bridge. DER STANDARD hat sich angesehen, wie die Installation und die Handhabung funktionieren.

DER STANDARD

Umsatz und Türen

Nuki baut überdies sein Sortiment aus und wird ab Herbst smarte Türen anbieten. Die Smart Door verfügt über eine vollmotorische Mehrpunktverriegelung und lässt sich ebenfalls via WLAN und Bluetooth steuern. "Zur Not" funktioniert aber auch ein Schlüssel noch. "Unsere Schlösser sind zum Nachrüsten. Warum soll jemand beim Hausbauen oder Renovieren etwas nachrüsten, was sich von Haus aus integrieren lässt?", sagt Pansy. Nuki kooperiert dafür mit diversen Türherstellern. Anders als das Schloss, das über einen Akku mit Strom versorgt wird, braucht die motorisierte Tür allerdings einen Stromanschluss in der Nähe.

Wie erging es Nuki in der Krise? "Wie so viele andere hat uns Corona im ersten Halbjahr getroffen, gegen Jahresende ging es aber wieder bergauf", sagt Pansy. Man habe 2020 leichtes Wachstum gegenüber 2019 erzielt, und heuer würde man sich gegenüber dem Corona-Jahr verdoppeln. Genaue Zahlen verrät der Steirer nicht. Der Umsatz bewege sich im zweistelligen Millionenbereich, und man habe bisher mehr als 200.000 Schlösser verkauft, etwa 25.000 davon in Österreich. Am stärksten verbreitet sind Nuki-Schlösser laut Firmenangaben aktuell im DACH-Raum, danach folgen die Benelux-Staaten, Frankreich und Italien. Das Unternehmen beschäftigt am Standort in Graz 100 Mitarbeiter. (Andreas Danzer, 6.8.2021)