Chorisches Theater: Die Omas on Stage präsentieren beim Kultursommer "Wien dreht auf!" erstmals ein szenisch-satirisches Programm mit Strandbezug: "Sommerparadies".

Foto: Omas gegen rechts

Sie liegen voll im Trend: chorisches Sprechen, Stückentwicklung und übererfüllte Frauenquote. Die Omas on Stage haben alle Nonplusultras des zeitgenössischen Theaters zu bieten. Und noch mehr. Die Untergruppe der vor vier Jahren in Österreich gegründeten Bürgerinitiative Omas gegen rechts erklimmt hier nun erstmals eine deklarierte Bühne und zeigt beim Kultursommer-Programm Wien dreht auf! ein eigenes Stück. Premiere von Sommerparadies ist heute, Freitag, um 18.30 Uhr in Neu Marx (dritter Bezirk, Karl-Farkas-Gasse).

Bühnen sind den Omas natürlich nicht fremd. Bisher sind die Zipfelhaubenträgerinnen immer dort in Erscheinung getreten, wo das Publikum bereits da war, in Wien etwa auf der Mariahilfer Straße oder auf dem Brunnenmarkt, in Linz auf dem Hauptbahnhof. Es wurden Gedichte rezitiert und Festplatten geschreddert – alles, was ein echtes Aktionstheater eben braucht.

Freunderlwirtschaft

Die Omas sind wegen ihres disziplinierten, Gedanken schärfenden und entschlossenen Auftretens europaweit berühmt. "Les Mamies opposées" hat sie die französische Tageszeitung Le Monde genannt. Mahnwachen halten sie bei jedem Wetter. In Deutschland sind sie in über 70 Städten aktiv und kommentieren das politische Gebaren unerschrocken kritisch.

Auch im aktuellen szenisch-satirischen Programm, das die Kabarettistin Jenny Simanowitz gemeinsam mit Omas-Gründerin Monika Salzer geschrieben hat, kommen die Schreckgespenster heutiger Politik aufs Tapet: Freunderlwirtschaft, Migrationspolitik, Antisemitismus in Zusammenhang mit Impfungen. Die ehemalige Burgschauspielerin Caroline Koczan singt ein "Wiegenlied für eine Mutter in Moria".

Und noch mehr Theaterprofis haben die Omas im Team, etwa die ehemalige Brixner Theaterleiterin Ingrid Porzner oder die Sängerinnen Margaret Carter und Kathy Tanner. In Pension sein heißt ja nicht stumm sein, so das Credo. Für 2022 ist ein Dokumentartheater in Planung. (Margarete Affenzeller, 5.8.2021)