Fiaker ohne Pferde

Pferdekutschen in der Innenstadt stören Tierschützer, die Stadt prüft Alternativen.
Foto: reuters / leonhard foeger

Die Situation der Fiakerpferde in Wien ist jeden Sommer Thema, wenn die Tiere auch bei großer Hitze Touristinnen und Touristen durch die City kutschieren müssen. So auch im Wahlkampf 2020: Von der Organisation Vier Pfoten befragt, sprachen sich Neos und Grüne dafür aus, die Hitzegrenze für den Fiakereinsatz auf den Straßen von 35 auf 30 Grad herabzusetzen.

Ins rot-pinke Regierungsprogramm hat diese Forderung keinen Eingang gefunden, wohl aber die "Prüfung von Alternativen wie dem ‚Fiaker‘ mit Elektroantrieb und Evaluierung der bestehenden Situation".

Im Büro des zuständigen Stadtrats Jürgen Czernohorszky (SPÖ), der sich zuletzt auch für die Herabsetzung der Hitzegrenze ausgesprochen hat, verweist man auf "ein gutes Gespräch zwischen Tierschutzminister Mückstein und Tierschutzstadtrat Czernohorszky" zum Thema. Es werde nun eine Expertenrunde von beiden eingesetzt "um sich über die Handlungsmöglichkeiten auf Landes- und Bundesebene auszutauschen".

Ende der Betonwüsten

Beton speichert Hitze, Pflanzen und Sprühnebel sollen Abhilfe schaffen.
Foto: apa / hans punz

Die Versiegelung von Bodenflächen ist österreichweit ein Problem – in Wien sorgt sie außerdem für mehr Hitze in dichtbesiedelten Gebieten. Während die Stadt in letzter Zeit vor allem wegen Straßenbauprojekten wie der Stadtstraße im 22. Bezirk in der Kritik steht, haben SPÖ und Neos unter dem Titel "Raus aus dem Asphalt" vereinbart, neue Grünräume zu schaffen und bestehende Betonflächen aufzubrechen, wo das möglich ist.

Die Stadtregierung verweist auf STANDARD-Anfrage auf etliche große und kleinere Projekte, die Abkühlung bringen sollen. Die Zollergasse (Neubau) wurde etwa in den vergangenen Monaten umgestaltet, im Herbst sollen "XL-Bäume" gepflanzt werden, dort fließt auch "ein kleines ‚Bächlein‘". Auch der Praterstern (Leopoldstadt) werde ab Herbst begrünt, inklusive Pflanzung von 55 neuen Bäumen und Errichtung eines Wasserspiels. Auch auf dem Neuen Markt (Innere Stadt) und dem Gersthofer Platzl sollen weitere Bäume gepflanzt werden.

Pop-up-Projekte

Plantschen konnte man einen Monat lang im Sommer 2020 am Gürtel.
Foto: heribert corn

Es war der Aufreger des vergangenen Sommers: Der Pop-up-Pool am Wiener Gürtel. Im August stand er mit seinen neun mal vier Meter Fläche zwischen den beiden starkbefahrenen Fahrbahnen an der Grenze des 15. und des 17. Bezirks. 15.000-mal wurde er in dem Sommer genutzt, 25.000 Menschen sollen sich in der Gürtelfrische West die Zeit vertrieben haben.

Im Herbst sollte der Pool in den Park übersiedeln. Für weitere fünf Wochen war der Standort im Auer-Welsbach-Park im 15. Bezirk geplant. Doch das dafür notwendige Budget von 80.000 Euro wurde nicht freigegeben. Die damalige Stadtvize Birgit Hebein (Grüne) erklärte im Herbst 2020, man wolle den Pool wieder aufstellen, ein Kauf würde geprüft. Wie die Grünen in der Stadtregierung ist auch der Pop-up-Pool Geschichte.

Als Verkehrsstadträtin setzte Hebein auch auf temporäre Radwege, Pop-up-Begegnungszonen oder "coole Straßen". All das ist im Konzept von Rot-Pink nun nicht mehr vorgesehen. Was kommt, soll bleiben.

Stadtseilbahn zwischen Hütteldorf und Ottakring

Auch über eine Seilbahn auf den Kahlenberg wurde bereits diskutiert. Noch gondelt man in Wien nicht.
Foto: apa / herbert pfarrhofer

Mit der Stadtseilbahn wird in Wien mancherorts schon seit Jahren geliebäugelt. Unter Rot-Pink hat es diese sogar ins Regierungsprogramm geschafft. Dort heißt es, eine Seilbahn zwischen Hütteldorf und Ottakring könnte als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr errichtet werden.

Die Idee der Stadtseilbahn kommt von den Neos und stammt ursprünglich aus dem Jahr 2017. Der pinke Bezirksrat Wolfgang Gerold schätzte damals die Kosten für eine 4,6 Kilometer lange Strecke, die man in 17 Minuten zurücklegen könnte, auf etwa 70 Millionen Euro. Details wie diese werden im Koalitionsabkommen allerdings nicht genannt. Nur so viel: Die Stadtseilbahn solle "das Otto-Wagner-Areal und die künftige Central European University (CEU) an U-Bahn und S-Bahn anbinden".

Viel mehr ist seit der Regierungsbildung Ende 2020 diesbezüglich nicht passiert. Aus dem Büro der zuständigen Verkehrsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) heißt es lediglich: "Dazu kommt eine Machbarkeitsstudie."

Duftende U-Bahnen

Jede U-Bahn hat ihren eigenen Duft. 2019 sollten sich die Wienerinnen und Wiener einen aussuchen.
Foto: christian fischer

Wer in Wien schon einmal mit der U-Bahn unterwegs war, weiß: Jede Linie hat nicht nur ihre eigene Farbe, sondern auch ihren eigenen Geruch. Im besten Fall ist es im Sommer jener nach maßlos aufgetragener Sonnencreme, die einer auf der Strecke zur Donau entgegenweht. Nicht so schön ist das Aroma von abgestandenem Bier, das entlang der verschiedenen Ausgehmeilen an die Party vom vergangenen Wochenende erinnert.

Um das Wohlbefinden auf allen Linien zu verbessern, starteten die Wiener Linien im Sommer 2019 ein Projekt. Jeweils zwei Züge der Linien U1 und U6 wurden im Juli einparfümiert. Dabei wurden vier verschiedene Gerüche über das Lüftungssystem in den Wagons verteilt.

Anschließend konnten die Fahrgäste online über den Verbleib der Düfte "Energize", "Fresh White Tea", "Happy Enjoy" und "Relax" abstimmen. Das Ergebnis: Von rund 37.000 Teilnehmern sprachen sich laut Wiener Linien 21.000 gegen eine duftende U-Bahn aus.

Die umgesiedelte Eiles-Platane

Spektakulär war der Umzug der Eiles-Platane in den nächsten Park. Jetzt schlägt sie dort ihre Wuzeln.
Foto: apa / hans punz

Es ist noch nicht so lange her, da sorgte in der Hauptstadt ein Baum für Aufregung. Die sogenannte Eiles-Platane – Baumkataster-Kennerinnen als Baum Nummer 1001 geläufig – musste ihren Platz vor dem gleichnamigen Café in der Wiener Josefstadt im Zuge des U-Bahn-Baus räumen. Für Platanen bedeutet solch eine Situation meist: Baum fällt.

Nach dem Aufschrei von Bürgerinitiativen und Co wurde Nummer 1001 in einer spektakulären Rettungsaktion über Nacht in den Schmerlingpark im ersten Bezirk umgesiedelt. Dafür wurden erst die Wurzeln des 22 Meter hohen Baums mehrere Tage lang von einem Baumchirurgen und seinem Team freigelegt, bevor die Platane anschließend von einem Kran auf einen Tieflader gehoben und stehend an ihr neues Zuhause gebracht wurde. Rund 500 Meter von ihrer alten Heimat hat die über 80-jährige Platane nun ihre Wurzeln neben dem Justizpalast geschlagen. Dort steht sie nun unbemerkt neben den anderen Bäumen, als ob sie nie woanders gewesen wäre. (Sebastian Fellner, Oona Kroisleitner, 6.8.2021)