Kinder lernen im Kindergarten soziale Kompetenzen und werden auf die Schule vorbereitet. Sollten die Einrichtungen wieder schließen, werden die Kinder in ihren Lernfortschritten behindert.

Foto: Getty Images

Wie der Schulstart im September ausschauen wird, hat Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Mittwoch grob skizziert. Mit einem strengen Hygienekonzept und bundesweiten PCR-Tests soll in den ersten beiden Schulwochen gestartet werden. An Empfehlungen für elementarpädagogische Bildungseinrichtungen werde noch gearbeitet. Auf ein flächendeckendes Konzept, wie Kinder im Kindergarten bestmöglich geschützt werden können, warten Eltern und Kindergartenmitarbeiterinnen auch nach 19 Monaten Pandemie. Dabei sind viele Kinder bereits jetzt im Sommer täglich dort. Abstandhalten und Hygienevorgaben sind gerade bei den Kleinsten schwierig. Der Eindruck, dass auf die Kindergärten bei den Corona-Maßnahmen – wieder einmal – vergessen wurde, drängt sich auf.

Kindergärten sind Ländersache

Ja, Kindergärten sind Ländersache, und der Bund kann hier nur sehr eingeschränkt bindende Vorgaben machen. Aber der Umgang mit der Pandemie im elementarpädagogischen Bereich zeigt deutlich: Wenn der Kindergarten als erste Bildungseinrichtung wirklich ernst genommen werden soll, braucht es – nicht nur hier – dringend mehr Gestaltungsmöglichkeiten des Bildungsministeriums. Dafür reichen die derzeitigen Rahmenbedingungen mit den Bund-Länder-Vereinbarungen (Artikel 15a BV-G) nicht aus.

Zwar wird im politischen Diskurs die Bedeutung des Kindergartens für die soziale und intellektuelle Entwicklung der Kinder gern hervorgehoben, für viele sind Kindergärten aber nach wie vor hauptsächlich eine Betreuungseinrichtung für den Nachwuchs berufstätiger Eltern. Der Elementarpädagogik im österreichischen Bildungssystem einen höheren Stellenwert zu geben ist längst überfällig.

Keine weiteren Schließungen

Denn auch in den Kindergärten selbst muss alles getan werden, damit es zu keinen weiteren Schließungen mehr kommt. Nicht nur, damit die Eltern möglichst ungehindert ihren Arbeitsverpflichtungen nachkommen können. Auch Kindergartenkinder werden – genauso wie Schülerinnen und Schüler – durch Schließungen in ihren Lernfortschritten behindert und gebremst – sei es durch fehlende Vorbereitung auf die Schule oder durch mangelnde Unterstützung bei der Sprachförderung oder im sozialen Verhalten. Das zeigt sich zwar nicht in Abschlussnoten, aber möglicherweise in ihrer gesamten weiteren Bildungslaufbahn. (Gudrun Ostermann, 9.8.2021)