Klopp und Guardiola.

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London – Mit Manchester City, Manchester United, Liverpool und Chelsea belegten vier der "Big Six" vergangene Saison die Champions-League-Ränge. Es deutet wenig darauf hin, dass sich dieses Bild in der am Freitag beginnenden Premier-League-Spielzeit ändern wird: An der Seitenlinie wie am Platz herrscht Kontinuität, für punktuelle Verstärkungen steht der vereinseigene Geldspeicher zur Verfügung.

City jagt Titel und Kane

Den ersten Titel der Saison, den Community Shield, hat Manchester City verpasst. Mit einer ersatzgeschwächten Truppe und zwei Akademie-Youngstern musste der amtierende Meister sich am Samstag mit 0:1 gegen Leicester geschlagen geben. "Am Anfang der Saison werden wir vermutlich versuchen, gute Ergebnisse zu erzielen, ohne auf unserem Top-Niveau zu sein", verwies Pep Guardiola auf die zahlreichen EM- und Copa-America-Teilnehmer, die "erst drei oder vier Trainingseinheiten gehabt haben". Sein Debüt feierte jedoch der englische EM-Fahrer und Rekordtransfer Jack Grealish, den City mit 117,5 Millionen Euro zum teuersten Engländer der Geschichte gemacht hatte.

Während im Rest Europas der Corona-bedingte Sparkurs fortgesetzt wird, bleibt die Schatulle in der von Investoren geprägten Premier League also weiterhin geöffnet. Medienberichten zufolge soll City-Eigentümer Scheich Mansour bereit sein, bis zu 177 Millionen Euro für Harry Kane in die Hand zu nehmen, Guardiola hatte das Interesse letzte Woche öffentlich bestätigt. Kane soll nach dem Abgang von Sergio Agüero das Sturmproblem der "Citizens" beheben. Wichtiger als die Mission Titelverteidigung wird den Besitzern aus den Emiraten allerdings auch in dieser Spielzeit die Jagd nach dem bisher verpassten Champions-League-Titel sein.

Auch ManUnited hat aufgerüstet

Um den ersten Titel überhaupt mit Manchester United geht es Ole Gunnar Solskjaer. "Mit einer Mischung aus jungen einheimischen Talenten und erstklassigen Zugängen", so der Vize-Vorsitzende Ed Woodward, soll das gelingen. Der Vorjahreszweite steht seinem Stadtrivalen finanziell in nichts nach und hat mit Jadon Sancho (85 Mio. Euro) sowie, vorbehaltlich Medizincheck, Raphael Varane (50 Mio. Euro) aufgerüstet. Letzterer soll die Dauerbaustelle Defensive beheben und mit Harry Maguire ein Innenverteidiger-Duo bilden. Weitere Transfers seien ein "Bonus", erklärte Solskjaer.

Chelsea hofft auf Lukaku

Dritter im Bunde der Superreichen ist Chelsea. Auch beim Champions-League-Sieger gibt es keine namhaften Abgänge. Mit Romelu Lukaku (24 Tore in der Serie A), der für kolportierte 115 Millionen Euro von Inter Mailand kommen soll, soll die Schwachstelle Chancenverwertung ausgemerzt werden. Trainer Thomas Tuchel, dessen Arbeitspapier vorzeitig bis 2024 ausgedehnt worden war, hofft noch vor dem Ligastart auf den ersten Titel im Supercup. Landsmann und Verteidiger Antonio Rüdiger will anschließend "auch in der Liga bis zum Ende ganz oben mitmischen."

Liverpool-Stützen bleiben

Mehr Vertragsverlängerungen denn kostspielige Transfers hat Liverpool vermeldet. Mit Torhüter Alisson, Fabinho und Trent Alexander-Arnold unterschrieben drei Stützen langfristige Arbeitsverträge. Die Comebacks der langzeitverletzten Virgil van Dijk und Joe Gomez, im Zusammenspiel mit Neuzugang Ibrahima Konate (40 Mio. Euro, RB Leipzig), bedeuten die Rückkehr zu der Verteidigung, die in der Meistersaison 19/20 nur 33 Gegentore zugelassen hatte. Einziges Fragezeichen bei den "Reds" ist die Nachfolge von Giorginio Wijnaldum, die mannschaftsintern wird erfolgen müssen. Zwar habe man den Markt im Blick, aber "ich bin mehr als zufrieden mit der Mannschaft", erklärte Klopp.

Arsenal und Spurs lauern

Komplettiert werden die "Big Six" von Arsenal und den Tottenham Hotspur. Für beide geht es nach einer verkorksten Saison um Stabilität. Die Gunners, die trotz zwischenzeitlicher Talfahrten weiterhin an Trainer Mikel Arteta festhalten, hatten zuletzt zwei Mal in Folge die Qualifikation für die Königsklasse verpasst und verfügen über einen mit Youngsters wie Bukayo Saka und Emile Smith-Rowe gespickten, aber wenig erfahrenen, Kader.

Beim Erzrivalen im Norden Londons ist mit Nuno Espirito Santo ein neuer starker Mann am Werk, nachdem das Experiment Jose Mourinho krachend gescheitert war. Kane, der die Spielzeit quasi im Alleingang gerettet hatte, steht vor dem Abgang zu City. Ein Erbe und weiterer Inter-Angreifer soll mit Lautaro Martinez schon vor den Toren stehen. Den Transfer eines Argentiniers haben die Spurs bereits vermeldet: Cristian Romero von Atalanta Bergamo, Kostenpunkt 50 Millionen, soll den abgewanderten Toby Alderweireld in der Dreierkette ersetzen.

Hasenhüttl und Bachmann

Aus österreichischer Sicht gilt es, den Blick weiter nach unten zu richten. Für Southampton und Cheftrainer Ralph Hasenhüttl geht es nach Rang 15 im letzten Jahr und dem Verlust von Toptorjäger Danny Ings (12 Tore) um einen gesicherten Mittelfeldplatz.

"Stabil den Klassenerhalt zu schaffen" ist auch das Ziel von Liga-Neuling Watford und ÖFB-Keeper Daniel Bachmann. Der 27-Jährige sieht den von der Pozzo-Familie geführten Club nicht als Fahrstuhlteam, "sondern eigentlich oben etabliert." Mit Fulham und West Bromwich Albion war es vergangene Saison für zwei der drei Absteiger direkt wieder runtergegangen. (APA, 11.8.2021)