Im Mai sprach der Verdächtige gezielt Kinder im Prater an. Er lud ein siebenjähriges Mädchen auf ein Eis ein und übergab ihm einen Flyer für seine Feriencamps.

Foto: Robert Newald

Wien – Derzeit laufen Ermittlungen wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und Anbahnung von Sexualkontakten zu Unmündigen gegen den Betreiber von Feriencamps für Sieben- bis 14-Jährige. Wie aus der APA vorliegenden Unterlagen hervorgeht, hat das Landesgericht für Strafsachen vor wenigen Wochen am Wohnsitz des 73-Jährigen in Währing eine Hausdurchsuchung bewilligt. Dabei sollen Computer und Datenträger beschlagnahmt worden sein, die nun ausgewertet werden.

Der Mann steht im Verdacht, vor mehr als 30 Jahren einen damals acht Jahre alten Buben schwer missbraucht zu haben. Der Betroffene soll in weiterer Folge einen Nervenzusammenbruch erlitten haben, dem Vernehmen nach machte ihm das Erlebte noch Jahre später zu schaffen. Ob dieser Vorwurf verjährt ist, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Unter anderem wird geprüft, ob es mögliche weitere Opfer des Verdächtigen gibt. Inzwischen hat die Wiener Behörde das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Feldkirch abgegeben, wie dem STANDARD mitgeteilt wurde.

Vater einer Siebenjährigen informierte Polizei

Die Ermittlungen kamen in Gang, nachdem der Verdächtige am 30. Mai 2021 im Prater gezielt fünf bis zehn Jahre alte Kinder angesprochen hatte. Eine ihm fremde Siebenjährige lud er auf ein Eis ein und übergab dem Mädchen einen Flyer für die von ihm veranstalteten Camps. Der Vater des Mädchens setzte der – so zumindest der Verdacht – auf Anbahnung eines intimen Kontakts gerichteten Unterhaltung ein Ende und wandte sich an einen in der Nähe befindlichen Polizisten.

Beim Vater der Siebenjährigen handelt es sich um Roberto d'Atri, der gemeinsam mit den Wiener Rechtsanwälten Thomas und Nikolaus Rast den im Aufbau befindlichen Verein "Bündnis Kinderschutz Österreich" ins Leben gerufen hat und als dessen Präsident fungiert. D'Atri hat sich auch mit dem deutschen Mobbingcoach Carsten Stahl zusammengeschlossen, um in Österreich etwas für Kinder zu tun, die von Mobbing betroffen sind.

Weiterführung der Feriencamps behördlich untersagt

Der 73 Jahre alte Verdächtige hat sich zu den gegen ihn gerichteten Vorwürfen bisher nicht geäußert und von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Seiner Homepage zufolge hat der 73-Jährige im heurigen Sommer unter dem Motto "Kinder, wollt ihr was erleben" Ferienabenteuer "in Österreichs schönsten Gegenden" – konkret an Badeseen in Tirol und in der Steiermark – angeboten. Für den kommenden Winter wirbt er mit Ski- und Snowboard-Lagern. Informationen der APA zufolge wurde ihm nach Einleitung der strafrechtlichen Ermittlungen die Weiterführung des Betriebs behördlich untersagt, sämtliche Kinder, die sich in laufenden Feriencamps an einem Badesee im Salzkammergut befunden hatten, wurden von ihren Eltern abgeholt.

Vorwürfe gegen Ex-Mitarbeiter

Zwischenzeitliche Erhebungen der Kriminalpolizei haben ergeben, dass der Verdächtige 2006 ein katholisches Ferienlager in Vorarlberg veranstaltet hat, bei dem sich einer der von ihm beschäftigten Betreuer an Buben vergriffen haben soll. Der Ex-Mitarbeiter wurde diesbezüglich nun wegen geschlechtlicher Nötigung und Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses angezeigt. Er soll bereits 2010 wegen geschlechtlicher Nötigung und Missbrauchs von Unmündigen verurteilt worden sein. Es gilt die Unschuldsvermutung. (APA, red, 11.8.2021)