Wienerberger hat im Halbjahr dank guter Konjunktur und starker Nachfrage die Konzernkennzahlen in Rekordhöhen gehievt.

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Der Konjunkturaufschwung in Verbindung mit staatlichen Programmen zur Begrenzung der Erderhitzung in vielen Teilen der Welt haben sich als starker Rückenwind für Wienerberger erwiesen. Der Weltmarktführer bei Hintermauerziegeln hat von Jänner bis Juni 2021 mit rund 17.000 Mitarbeitern an weltweit 200 Standorten die Rekordergebnisse aus der Zeit vor Corona nochmals übertroffen.

Bei einem Umsatz von knapp 1,9 Milliarden Euro (plus 14 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2020) hat Wienerberger im ersten Halbjahr 2021 ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 308,4 Millionen Euro erzielt. Das ist ein Plus von 21 Prozent. Zudem ist die Profitabilität gestiegen. Die Rendite des eingesetzten Kapitals (Return On Capital Employed, ROCI) hat sich in der Berichtsperiode von 7,1 Prozent auf 10,9 Prozent erhöht.

Höhere Erwartung für Gesamtjahr

Statt eines Ebitda von 600 bis 620 Millionen Euro erwartet Wienerberger im Gesamtjahr nun ein Ebitda von 620 bis 640 Millionen.

Dabei war Wienerberger vor einem guten Jahrzehnt mit einer der größten Krisen in der Unternehmensgeschichte konfrontiert. Dutzende Ziegelwerke mussten eingemottet, Kosten reduziert, der Konzern neu ausgerichtet werden. Schon seit Jahren ist kein Werk mehr eingemottet, im Gegenteil.

"Wir fahren Sonderschichten wegen der starken Nachfrage in einigen Ländern", sagte Wienerberger-CEO Heimo Scheuch bei der Präsentation der Halbjahresbilanz am Mittwoch. In den wichtigsten Märkten in Europa und Nordamerika sei die Nachfrage im Ziegelbereich stark.

Moderater sei die Entwicklung in Zentral- und Osteuropa gewesen. Länder wie Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn hätten noch nicht an die Vor-Corona-Zeit angeschlossen.

Gute Auslastung auch bei Rohrsystemen

Stark entwickle sich auch die Rohrsparte, die sich im Hinblick auf die Profitabilität der Ziegelsparte annähere. Durch gezielte Zukäufe soll der Geschäftsbereich weiter gestärkt werden.

Durch zentralen Einkauf und langfristige Bestellungen sei es gelungen, Engpässe bei der Beschaffung von Rohstoffen zu vermeiden, sagte Scheuch. So gut wie alle Produkte von Wienerberger seien lieferbar. Durch Preisanpassungen sei es gelungen, Kostensteigerungen aufzufangen.

Steueranreize statt Förderprogramme

Viel Potenzial sieht Scheuch in der thermischen Sanierung. Die Benelux-Länder und Frankreich operierten mit Steueranreizen statt mit Förderprogrammen, was auch für Österreich gut wäre. Scheuch: "Eine steuerliche Absetzbarkeit von Investitionen am Haus entlastet das Budget, hilft dem Klima und schafft für Menschen Anreize, in ihr Eigenheim zu investieren." Um den CO2-Ausstoß zu senken, sollte zuallererst die Dachsanierung angegangen werden. Dort entweiche die meiste Energie. (Günther Strobl, 11.8.2021)