Guck mal, wer die Bank überfällt: Ryan Reynolds in "Free Guys"

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Don’t have a good day – have a great day!" Diese Begrüßungsfloskel, mit der der Bankangestellte Guy seine Kunden begrüßt und die ihm außerhalb der Bank in Fleisch und Blut übergegangen ist, wirkt wie Galgenhumor, denn Guys Leben besteht einzig aus Routine – wie das blaue Hemd, das er trägt, wie der immer gleiche Morgenkaffee im immer selben Coffeeshop. Und wie der tägliche Überfall auf die Bankfiliale, in der er hinter einem der Schalter sitzt.

In der realen Welt?

Kann so etwas mit rechten Dingen zugehen, fragt sich der Zuschauer. Befinden wir uns wirklich in der realen Welt? Nein, natürlich nicht, Guy ist, wie einst Jim Carrey in The Truman Show, Teil einer virtuellen Welt, präziser gesagt ist er eine "nicht handlungsrelevante Hintergrundfigur" in einem Computerspiel, eben darauf programmiert, immer wieder seine Routinen auszuführen, vielleicht aber auch einmal Opfer der gewalttätigen Vorgänge um ihn herum zu werden, die er einfach ignoriert.

Genau die sind aber das, was das Videospiel Free City zu einem Verkaufsschlager gemacht hat: Gerade das massenhafte Töten anderer Figuren bringt den Spieler auf das nächste Level.

KinoCheck

Als er einmal einem Bankräuber Paroli bietet und damit aus seiner Rolle fällt, erwacht in Guy das Streben, etwas anderes zu machen, etwas Gutes zu tun. Damit wird er nicht nur zu einem Helden der anderen Hintergrundfiguren, sondern auch vieler Spieler – und macht sich einen Feind in Antwan, dem Chef des Spieleherstellers, der Veränderungen hasst und lieber auf Fortsetzungen mit eskalierender Gewalt setzt (der neuseeländische Regisseur Taika Waititi verkörpert ihn als geldgierigen Unsympathen, aber auch mit einem kleinen Augenzwinkern).

Angefacht wird Guys Wandlung auch dadurch, dass er seiner Traumfrau begegnet, einer schießgewandten Amazone mit dem Namen Molotov Girl, die mit ihm die Vorliebe für einen bestimmten Song, aber auch für Kaugummi-Eis teilt. In der realen Welt ist sie eine Spieleentwicklerin, die mit einem befreundeten Kollegen dieses Spiel entwickelt hat, das Antwan sich dann angeeignet und brutalisiert hat. Um gegen ihn anzutreten, ist sie auf Guys Hilfe angewiesen, denn dessen Aus-der-Rolle-Fallen könnte der Schlüssel sein, um das Spiel zu verändern.

Superheldenspektakel

Filme über virtuelle Welten (Fassbinders Welt am Draht war da vor mehreren Jahrzehnten so etwas wie ein Prototyp) beziehen ihren Reiz aus dem Wechselspiel zwischen realer und virtueller Welt und der Verunsicherung des Zuschauers, was real und ist und was nicht. Mit seinem augenzwinkernd satirischen Beginn nimmt Free Guy den Zuschauer für sich ein, kippt aber zunehmend in ein Superheldenspektakel, das eben auf Gewalt, Effekte und Lautstärke setzt.

Vermutlich möchten Regisseur Shawn Levy (die Nachts im Museum-Trilogie) und Hauptdarsteller (und Mitproduzent) Ryan Reynolds das als Satire und Kritik an der Gewalttätigkeit vieler Computerspiele verstanden wissen.

Dabei ähnelt es doch der zynischen Welt, die Reynolds in bislang zwei Filmen um seine Figur des Superhelden Deadpool herum geschaffen hat und die für ihn so etwas wie eine Erfolgsformel geworden ist: Zwei Wochen nach Free Guy startet Killer’s Bodyguard 2, das demselben Muster huldigt. Dort begrüßt Reynolds’ Figur Anrufer auf seinem Handy mit dem Spruch "Have a triple-nice day". (Frank Arnold, 13.8.2021)