Ruandische Soldaten Anfang Juli vor ihrem Abflug nach Mosambik.

Foto: AP/Muhizi Olivier

Während Wissenschafter nachweisen, dass die Nutzung fossiler Brennstoffe für die Klimakatastrophe noch schlimmere Folgen als bisher angenommen hat, versuchen Regierungen aus aller Welt mit militärischen Mitteln zu gewährleisten, dass ein riesiges Erdgasfeld im südostafrikanischen Staat Mosambik gegen den Widerstand zumindest von Teilen der örtlichen Bevölkerung weiter erschlossen werden kann.

In der nordmosambikanischen Provinz Capo Delgado treffen derzeit Truppen von insgesamt fünf afrikanischen Staaten sowie Militärberater aus mehreren Ländern der EU und den USA ein. Auch sie sollen die mosambikanische Armee in ihrem Kampf gegen militante Gegner des Megaprojekts unterstützen.

Die internationale Militärhilfe wird mit dem Argument gerechtfertigt, dass der Kampf dem "islamischen Terror" gelte. Obwohl Experten die Verbindung zwischen der internationalen Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) und den Aufständischen vor Ort höchstens als lose bezeichnen. "Die wirkliche treibende Kraft dieses Konflikts hat viel mehr mit den Beschwerden der Bevölkerung zu tun", urteilt die Internationale Krisengruppe (ICG) in Brüssel.

Mocímboa da Praia eingenommen

Als Speerspitze der ausländischen Militärhilfe traf Anfang Juli ein 1.000-köpfiges Kontingent der ruandischen Armee in Cabo Delgado ein. Gemeinsam mit mosambikanischen Soldaten soll den Ruandern am vergangenen Wochenende die Einnahme des 60 Kilometer südlich der im Bau befindlichen Erdgasanlagen gelegenen Mocímboa da Praia gelungen sein. Das Hafenstädtchen befand sich ein Jahr lang in den Händen der Rebellen, die von der Bevölkerung "al Schabab" (arabisch: die Jungs) genannt werden.

Die Aufständischen zogen sich offenbar kampflos aus ihrer Hochburg zurück, von der aus sie Mitte März ihren bisher spektakulärsten Angriff auf die außerhalb der Hafenstadt Palma gelegenen Erdgasanlagen verübt hatten. Der Vorfall hatte den französischen Total-Konzern zum – zumindest vorübergehenden – Abbruch seiner Arbeiten in Afungi veranlasst. Die Erdgasvorkommen vor der mosambikanischen Küste sollen 2,8 Billionen Kubikmeter umfassen, die zweitgrößten Reserven Afrikas.

Rücksichtslose Soldaten

Bereits vor der kampflosen Einnahme Mocímboa da Praias lieferten sich die ruandischen Soldaten mit den Aufständischen mehrere Gefechte. Dabei sollen dutzende Rebellen getötet worden sein. Ruandas Armee gilt als eine der professionellsten und kriegserfahrensten in Afrika. Ihre Soldaten sind allerdings auch als rücksichtslos bekannt.

Ihre Entsendung hatte im Süden des Kontinents bereits im Vorfeld Irritationen ausgelöst. Mosambik gehört dem Staatenbund SADC an, der schon seit Monaten auf den Einsatz seiner Soldaten drängt. Dort wird befürchtet, dass islamistische Extremisten auch im südlichen Afrika einen Brückenkopf errichten könnten.

Mosambiks Präsident Filipe Nyusi stimmte dem Einsatz von SADC-Truppen erst zu, nachdem er bereits das ruandische Kontingent ins Land geholt hatte. Paul Kagame, dem autokratischen Präsidenten Ruandas, werden hegemoniale Ambitionen nachgesagt. Inzwischen trafen in der Cabo-Delgado-Provinz auch 1.500 Soldaten aus Südafrika sowie jeweils 300 aus Botswana und dem Trümmerstaat Simbabwe ein. Außerdem schickte Angola 20 Offiziere der Luftwaffe in die Unruheregion.

Weitere Militarisierung befürchtet

Mosambiks Oppositionspartei Renamo sieht den Einsatz fremder Truppen mit Missmut: Sie befürchtet eine weitere Militarisierung der Region, deren Bevölkerung sich schon seit Jahrzehnten von der Regierung im fast 2.000 Kilometer entfernten Maputo vernachlässigt und übervorteilt fühlt. Mosambiks von der ehemaligen Befreiungsbewegung Frelimo gebildete Regierung gilt als hochgradig korrupt. Vor acht Jahren erschütterte das Verschwinden von zwei Milliarden US-Dollar aus dem Staatssäckel das Land. Die Bevölkerung Cabo Delgados wirft Maputo vor, an den Einnahmen aus der Erdgasförderung nicht beteiligt zu werden.

"Ein paar tausend Jobs könnten diesen Krieg beenden", ist der Mosambik-Kenner Joseph Hanlon von der London School of Economics überzeugt. "Aber wer will schon zusätzliches Geld für ein Land ausgeben, in das er bereits große Summen für die Stationierung von Soldaten gesteckt hat?"

Rückzug in den Busch

Aufgrund der ausländischen Truppenpräsenz wird nun der Rückzug der Aufständischen in kleinen Gruppen in den fast undurchdringlichen Busch erwartet, um von dort einen Guerillakampf zu führen. Einen solchen hatte schon die einheimische Rebellengruppe Renamo in dem 1989 beendeten Bürgerkrieg gegen die Frelimo erfolgreich geführt. Das Gelände ist für Hinterhalte bestens geeignet: Nur wenige den Süden mit dem Norden des Landes verbindende Verkehrsadern machen das Abschneiden ganzer Landesteile möglich.

Im kommenden Monat werden in Mosambik auch 120 Soldaten aus der EU erwartet. Sie sollen lediglich einheimische Militärs ausbilden, nicht aber in Kämpfe eingreifen. Doch mit Ausbildungsmissionen hat die EU in Afrika bislang nur schlechte Erfahrungen gemacht: Ihre Präsenz im westafrikanischen Mali führte außer zu Coups und Menschenrechtsverletzungen der einheimischen Soldaten zu keinem messbaren Erfolg im Kampf gegen den "islamischen Terror". (Johannes Dieterich, 14.8.2021)