Bei der Lufthansa steht die finanzielle Entflechtung mit dem Staat an. Zunächst wird dessen 20-prozentige Beteiligung verringert.

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Für die deutschen Steuerzahler könnte sich die Rettung der Lufthansa als ertragreiches Unterfangen erweisen. Am Montag erfolgte der Startschuss zum Ausstieg aus der Staatsbeteiligung, zunächst soll ein bis zu fünfprozentiges Aktienpaket über die Börse abgestoßen werden – und zwar mit stattlichem Ertrag. Beim Einstieg zahlte der Bund für die insgesamt 20-prozentige Beteiligung etwa 300 Millionen Euro, derzeit ist sie mehr als eine Milliarde Euro wert.

Der Staatseinstieg erfolgte im Juni 2020 als kleiner Teil eines insgesamt etwa sechs Milliarden Euro schweren Rettungspakets, mit dem die durch die Corona-Krise schwer gezeichnete Fluggesellschaft abgesichert wurde. Die größte Position besteht aus einer stillen Einlage des Staates über 5,7 Milliarden Euro, die von der Lufthansa nur teilweise ausgeschöpft wurde.

Milliardenverlust im Halbjahr

Wegen der "positiven Unternehmensentwicklung" werde der Bund seine Beteiligung um maximal ein Viertel reduzieren, gab die Deutsche Finanzagentur zu Wochenstart bekannt. Allein, die Erholung der Airline mit dem Kranich im Logo erfolgte im ersten Halbjahr noch ziemlich flügellahm. Der Verlust im ersten Halbjahr wurde verglichen mit der Vorjahresperiode zwar halbiert, betrug jedoch immer noch 1,8 Milliarden Euro.

An der Börse geriet die Lufthansa-Aktie am Montag angesichts des Anteilsverkaufs unter Druck und setzte damit ihre zuletzt schwache Entwicklung fort. Auf dem Kurs lastet auch eine für September geplante Kapitalerhöhung, die laut Lufthansa ein Volumen von weniger als drei Milliarden Euro erreichen soll. Mit den Erlösen will die Fluglinie einen Teil der ausstehenden Finanzhilfe des Bundes zurückzahlen. Ob dieser bei der anstehenden Ausgabe junger Aktien mitziehen wird, blieb zunächst offen.

Dafür müsste erneut grünes Licht von der EU eingeholt werden, da es sich trotz der nun gestarteten Abschmelzung des Aktienpakets formal um eine weitere Staatshilfe handeln würde. Der Bund gab aber bekannt, die Lufthansa vorerst weiterhin "in seiner Position als wesentlicher Aktionär begleiten" zu wollen.

Ruf nach raschem Ausstieg

Eine Ankündigung, die beim Präsidenten des deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW auf wenig Gegenliebe stößt. "Eine Finanzierung über eine akute Notsituation hinaus ist nicht anzustreben", betont Achim Wambach. Krisenhilfe sollte nicht länger als notwendig beibehalten werden, da dies zu Wettbewerbsverzerrungen führen werde.

Auch die Lufthansa will schnell wieder unabhängig vom Steuerzahler werden. Spätestens nach Rückzahlung der stillen Einlage muss der Bund sein restliches Aktienpaket vollständig veräußern. Mitte Juli hatte übrigens die Lufthansa-Tochter AUA etwa ein Zehntel ihres insgesamt 300 Millionen Euro schweren Hilfskredits vorzeitig getilgt. (Alexander Hahn, 16.8.2021)