Brandon Flowers von der Band The Killers besuchte seine Heimatstadt in Utah und brachte Stories für ein neues Album mit: "Pressure Machine."

Foto: AP

Pandemie und Lockdowns haben nicht nur uns Fußgänger des Lebens zur Einkehr gezwungen. Selbst sonst die Welt mehr oder weniger nonstop bespielende Bands mussten ihre Vielfliegerprogramme aussetzen. Die Stadionrockband The Killers aus Las Vegas nutzte die Zwangspause für ein neues Album.

Dem ist der Ausnahmezustand anzumerken, und wie sonst wo auch fuhren die, die konnten, aufs Land. Sänger Brandon Flowers ist in seine Heimatstadt gefahren, in das von Mormonen gegründete Nephi in Utah, ein 6000-Einwohner-Kaff. Was er dort memorierte, aufschrieb und aufnahm, ist auf dem nun erschienenen Album Pressure Machine nachzuhören. Es sind ins Fiktive transformierte Kleinstadtdramen, denen öfter eine wahre Begebenheit zugrunde liegt.

Im Schrebergarten

Damit begeben sich The Killers in den Schrebergarten von Bruce Springsteen, der eine der wesentlichen Inspirationen war, weiters die Literatur, Werke von John Steinbeck und Sherwood Anderson. Zwecks Herstellung besonderer Authentizität sind manchen der Songs kurze Originalaufnahmen von Menschen vor Ort vorangestellt. Darin tauchen typisch amerikanische Geschichten auf: Paare, die schon auf der Highschool "sweethearts" waren und kaum je aus der Stadt gekommen sind, Medikamentenabhängigkeit, zerstörte Träume. Denn die Kleinstadt ist nie nur Idylle, sondern oft die Hölle.

TheKillersVEVO

Die Killers singen im Midtempo-Rock von Teenagern, die mit ihrem Auto vom Zug erfasst und getötet wurden, von Suizid, Verwirrung und Flucht: Teenage Angst in full force. Leider lässt Flowers’ dünne Stimme als Chronist dieser Geschichten jede Autorität vermissen. Er klingt oft wie ein singender Klassensprecher, der über einen weiteren unglücklichen Abgang ein Referat hält.

Aufbruch, Pioniergeist, Optimismus

Immerhin hält sich die Band zurück, fährt nicht das fürs Stadion übliche Breitbandprogramm hoch, sondern versucht sich in ruhigen, oft akustischen Arrangements. Springsteen kommen sie damit höchstens im Song Quiet Town nahe. Anderswo denkt man an Soul Asylum mit dem Vermisste-Kinder-Welthit Runaway Train – nur dass den Killers nicht solche Hooklines gelingen.

Am Ende des Albums ertönt das Horn eines Zugs. Züge nehmen in der Geschichte der Vereinigten Staaten eine Sonderstellung ein. Sie symbolisieren Aufbruch, Pioniergeist, Optimismus, durchmessen das riesige Land. Doch der Zug kann auch den Tod bringen. Durch Nephi fahren die meisten bloß durch. Nur einmal sind Brandon Flowers und The Killers ausgestiegen. Und dann haben sie ein Album darüber gemacht. Das ergibt in der Summe seiner Lieder eine zwar liebliche, aber wenig aufregende Erzählung. Aber zu viel Aufregung ist eh nicht gesund. (Karl Fluch, 18.8.2021)