Nicht nur Elvis trug Gold: Sehr beiläufig und in einem ebensolchen Tonfall inszeniert Stephan Kasimir in Dornbirn "Jedermann (stirbt)".

Foto: Kulturhauspark Dornbirn

Mitten in Dornbirn, auf den amphitheaterartigen Betonstufen im Park hinterm Kulturhaus, nebenan Friedhof, Bezirkshauptmannschaft und Spielplatz, zeigt Unpop für 100 Zuschauer das Stück Jedermann (stirbt) von Ferdinand Schmalz. Dessen Überschreibung des Mysterienspiels wurde 2018 am Burgtheater uraufgeführt und mit dem Nestroy-Theaterpreis für das beste Stück ausgezeichnet.

Schmalz holt Figuren und Handlung ins heute, kippt das Moralinsaure raus, packt Kapitalismuskritik und bösen Humor hinein und schafft eine moderne Erzählung über das ewige Ringen um die Sterblichkeit.

Im Zentrum steht natürlich die Frage, ob der Tod ein Erkenntnismoment ist. Und wie man am Ende des Lebens mit der Lebensschuld umgeht. Schmalz verlegt die Handlung auf eine Gartenparty, mit der Jedermann, ein skrupelloser Investmentbanker, einen Geschäftsabschluss feiert.

In Dornbirn erschafft Ausstatterin Caro Stark dafür ein glitzerndes Setting mit Jungbrunnen: Auf einem grasgrünen Teppichrund ein goldener Brunnen mit phallischer Brunnensäule, aus der zu Rockmusik und Discolicht orgiastisch ein dünner Strahl emporschießt.

Sehr beiläufig

Im Hintergrund steht verloren ein goldenes Kalb auf dem Rasen. Die Kirchenglocke schlägt dumpf, als eine goldglitzernd gewandete Festgesellschaft das grüne Rund entert.

Wie beiläufig spazieren sie herbei, und wie beiläufig beginnen sie zu erzählen vom "alten Märchen in neuem Kleid". Da stolpert Jedermann heran, entschuldigt sich grinsend fürs Zuspätkommen und schlüpft schnell in sein güldenes Jackett.

Regisseur Stephan Kasimir setzt ganz auf diesen beiläufigen Ton, den "die (teuflisch) gute Gesellschaft" von Beginn an anschlägt. Ihm geht es ums Erzählen, nicht um die Darstellung. Schmalz’ Worten wird so zwar viel Raum gegeben, seine rhythmische Sprache kann sich in Kasimirs statisch-reduzierter Inszenierung entfalten. Doch durch den beiläufigen Erzählton geht die Anteilnahme verloren, es stellt sich eine gewisse Egal-Haltung ein.

Da ist viel Understatement auf der Bühne. Viel lässige Abgeklärtheit beim Jedermann (Johannes Gabl), der weiß, dass er vermutlich sterben wird, und es irgendwie hinnimmt. Doch was bleibt vom Jedermann, der nicht um die großen Fragen der menschlichen Existenz ringt? Nicht viel mehr als goldene Abziehbilder. (Julia Nehmiz, 21.8.2021)