Die von Deutschland evakuierten Personen kommen dem deutschen Verteidigungsministerium zufolge aus 45 Ländern.

Foto: Bundeswehr/Marc Tessensohn

Auch nach dem Abschluss der Evakuierungsmission will die deutsche Bundesregierung den in Afghanistan verbliebenen Deutschen, afghanischen Ortskräften oder gefährdeten Personen helfen. Das kündigte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag an. Die Zahl der noch im Land befindlichen Ortskräfte und identifizierten Personen zur Ausreise verändere sich aber stetig und betrage mehr als 10.000, teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes mit. Vonseiten des österreichischen Außenministeriums bezifferte man die Zahl Verbliebener auf "einige Dutzend".

Wie viele der von Deutschland genannten 10.000 Personen möglicherweise schon auf andere Weise ausgereist seien, könne das Auswärtige Amt derzeit nicht sagen. Die Zahl der Deutschen in Afghanistan schätze man auf etwa 300. Das Innenministerium versicherte, dass alle Personen auf der Liste des Auswärtigen Amtes eine Einreisegenehmigung nach Deutschland bekämen.

Ausreise über Landweg

Nach Angaben des deutschen Verteidigungsministeriums wurden über die Luftbrücke insgesamt 5.347 Personen aus Afghanistan evakuiert. Sie kämen aus mindestens 45 Ländern, sagte eine Sprecherin. Darunter seien rund 500 Deutsche und 4.000 Afghanen gewesen. Man versuche nun, eine weitere Ausreise entweder über den Landweg oder aber den Weiterbetrieb des zivilen Flughafen in Kabul zu ermöglichen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Dazu würden auch die Konsulate in den Nachbarstaaten personell verstärkt.

Er wies darauf hin, dass bereits in den Monaten vor dem Fall Kabuls 1.900 Ortskräfte ausgeflogen worden seien, bei denen man eine Gefährdung gesehen habe. In den vergangenen Tagen habe sich in Kabul der Trend verstärkt, dass die dort noch verbliebenen Deutschen von unbekannter Seite aufgefordert würden, sich an bestimmten Plätzen in Kabul einzufinden. Das Auswärtige Amt warne vor diesen Fällen der Desinformation.

"Einige Dutzend" Österreicher in Kabul

Mehr als hundert Menschen sind nach Angaben des Außenministeriums vom Freitag bisher mit österreichischer Unterstützung aus Afghanistan außer Landes in Sicherheit gebracht worden. Zum Teil sei dies auch über den Landweg erfolgt, hieß es am Freitag aus dem Außenministerium gegenüber der APA. Derzeit seien "noch einige Dutzend" österreichische Staatsbürger mit afghanischen Wurzeln in und um Kabul.

Dazu kämen noch afghanische Staatsbürger, deren Aufenthalt in Österreich aber teilweise noch nicht abgeklärt sei. Man werde weiterhin alle Möglichkeiten ausschöpfen, diese Personen aus Afghanistan zu bringen. Die zivilen Evakuierungsflüge seien aber beendet, hieß es aus dem Außenministerium. Daher konzentrierten sich die laufenden Bemühungen auf eine Ausreise über den Landweg. Die österreichischen Stellen bemühten sich, einen Grenzübertritt in die Nachbarländer zu ermöglichen. Derzeit seien die Grenzen geschlossen.

Krisenteams in Islamabad

Ein zentraler Punkt der österreichischen Krisenteams sei die Botschaft in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Ein weiterer Teil des österreichischen Krisenteams befinde sich in der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Es handle sich um ein Netzwerk, in das auch ein Stab in Wien unter Mitwirkung des Verteidigungs- und Innenministeriums einbezogen sei.

Weiterhin gebe es "keine Hinweise" darauf, dass bei dem verheerenden Doppelanschlag beim Flughafen Kabul auch österreichische Staatsbürger zu Schaden gekommen wären, hieß es aus dem Außenministerium. Die meisten europäische Staaten haben ihre Evakuierungsflüge seit Donnerstag beendet. Österreich verfügt über keine eigenen Evakuierungsflüge. (APA, red, 27.8.2021)