Novak Djokovic hat die US Open 2011, 2015 und 2018 gewonnen. Der Triumph in diesem Jahr wäre historisch und zugleich ein Rekord für den Serben.

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Allein auf weiter Flur ist Novak Djokovic in Flushing Meadows nicht. Im Tableau der 128 Männer scheinen neben dem 20-fachen noch zwei weitere Sieger von Grand-Slam-Turnieren auf, wenn auch ziemlich chancenlose – der Schotte Andy Murray und der Kroate Marin Cilic, der sogar als Nummer 30 gesetzt ist.

In Abwesenheit des Spaniers Rafael Nadal, der Schweizer Roger Federer und Stan Wawrinka sowie des Titelverteidigers Thiem – samt Murray und Cilic sind damit schon alle Major-Sieger der vergangenen zehn Jahre aufgezählt – hat der Djoker nur unter jenen ernsthafte Herausforderer, die einem Sieg auf höchster Ebene noch hinterherlaufen.

Die Jäger

Der deutsche Olympiasieger Alexander Zverev, dem im Vorjahr im Fünf-Satz-Finale gegen Thiem nur zwei Punkte auf den Titel in New York fehlten, ist in bester Verfassung, weiß seit dem Halbfinale von Tokio, wie Djokovic beizukommen ist, und holte sich mit dem Sieg beim Masters in Cincinnati den letzten Schliff. Der Russe Daniil Medwedew, der das US-Open-Finale 2019 gegen Nadal und das heurige Endspiel in Australien gegen Djokovic verlor, gewann zuletzt das Kanada-Masters in Toronto. Der Grieche Stefanos Tsitsipas, der in diesem Jahr im Endspiel der French Open gegen Djokovic den Kürzeren zog, stand in Toronto und Cincinnati zumindest im Halbfinale.

Im Unterschied zum Trio der Jäger hat der Gejagte in den vergangenen Wochen pausiert. Seit dem verlorenen Bronze-Match in Tokio gab es von Djokovic praktisch nur Urlaubsbilder. Der 34-jährige Belgrader sammelte Kraft für die sieben Schritte zur Unsterblichkeit, Kraft für den Gewinn des Grand Slams. Alle vier Major-Turniere innerhalb eines Kalenderjahres hat in der Profiära nur der Australier Rod Laver (1969) gewonnen – aber nicht Nadal und Federer, die wie Djokovic bei 20 Major-Siegen halten, also auch in dieser Hinsicht überflügelt werden könnten.

Bei den Frauen wurde die Rekordjagd schon abgeblasen. Serena Williams musste für ihr Heimturnier wegen einer immer noch nicht ausgeheilten Oberschenkelverletzung, die schon zur Auftaktniederlage in Wimbledon führte, absagen. Mit ihren bald 40 Jahren hätte sie aber ohnehin nur noch geringe Chancen gehabt, die Bestmarke von Margaret Court (24 Major-Titel) mit ihrem siebenten Triumph in New York zu egalisieren.

Favoritinnen wären auch im Beisein von Williams die Australierin Ashleigh Barty sowie die japanische Titelverteidigerin Naomi Osaka gewesen. Barty, 2018 eher sensationell die US-Open-Siegerin, die heuer schon in Wimbledon erfolgreich war, überzeugte zuletzt mit dem Titel ohne Satzverlust in Cincinnati. Osaka schied wie schon bei ihren Heimspielen in Tokio bereits im Achtelfinale aus. Als gefährlichste Außenseiterin gilt die Weißrussin Aryna Sabalenka. Die Nummer zwei der Welt stand zuletzt in Wimbledon im Halbfinale.

Volle Ränge

Die größte Veränderung gegenüber den US Open 2020 sorgt je nach Verfasstheit für Freude oder Schrecken. Musste das Turnier im vergangenen Jahr vor komplett leeren Rängen stattfinden, fallen nun sämtliche Beschränkungen. Die US Open sind damit das erste Grand-Slam-Turnier, das während der Corona-Pandemie vor durchgehend vollen Rängen über die Bühne gehen kann. Selbst Nachweise über einen negativen Test, eine Impfung oder eine Genesung werden den Fans nicht abverlangt. Deshalb erwarten die Veranstalter durchaus ähnliche Zuseherzahlen wie 2019, als während der zwei Turnierwochen knapp 740.000 Zuschauer in die gewaltige Anlage im tatsächlich so heißenden Flushing Meadows Corona Park im New Yorker Stadtteil Queens strömten. (APA, sid, lü, 28.8.2021)