An ein würdiges Formel-1-Rennen war in den Ardennen nicht zu denken.

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Sergio Perez schaffte es nicht bis zur Startaufstellung.

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Spa-Francorchamps – Red-Bull-Pilot Max Verstappen hat am Sonntag einen kuriosen Grand Prix von Belgien gewonnen und dafür halbe WM-Punkte eingesackt. Das Rennen, das eigentlich gar keines war, wird allerdings noch für einige Diskussionen sorgen. Nach einer Startverzögerung von mehr als drei Stunden wegen anhaltend starken Regens wurden am Abend vor Einbruch der Dunkelheit nur zwei Runden hinter dem Safety-Car abgespult, um ein Ergebnis in die Wertung zu bringen.

Verstappen wurde in Spa-Francorchamps vor Williams-Überraschungsmann George Russell und Serienweltmeister Lewis Hamilton im Mercedes zum Sieger erklärt – das genaue Resultat des Qualifyings vom Vortag. In der WM-Wertung verkürzte der Niederländer, der erstmals in seinem Geburtsland Belgien gewann, seinen Rückstand auf Spitzenreiter Hamilton nach zwölf von 22 geplanten Saisonrennen um fünf Zähler auf drei Punkte.

Kürzestes Rennen

Mit zwei Runden beziehungsweise 14 Kilometern war es das bisher kürzeste Rennen der Formel-1-Geschichte. Erstmals seit Malaysia 2009, als sintflutartiger Regen kurz nach Rennhälfte für einen Abbruch gesorgt hatte, wurden halbe Punkte vergeben. Für volle Zähler hätten mindestens 75 Prozent der ursprünglichen GP-Distanz von 308 Kilometern zurückgelegt werden müssen. Das war im Verlauf des langen Nachmittages in den belgischen Ardennen immer unrealistischer geworden.

Der ursprüngliche Rennstart war für 15.00 Uhr angesetzt. Eigentlich ist im F1-Reglement vorgeschrieben, dass eine Veranstaltung danach nicht länger als drei Stunden dauern darf. Diese Regel wurde aber wegen "höherer Gewalt" außer Kraft gesetzt. Die Uhr wurde eine Stunde vor ihrem Ablauf gestoppt. Das ermöglichte um 18.17 Uhr einen Start aus der Boxengasse.

Das Minimum

Ein kompetitives Rennen gab es vor 75.000 zum Großteil völlig durchnässten Zuschauern aber nicht zu sehen. Nach zwei Runden, die für die Wertung mit halben Punkten das Mindestmaß sind, wurde erneut die Rote Flagge gezeigt. Das war schon beim ersten Startversuch hinter dem Safety-Car um 15.25 Uhr der Fall gewesen. Das erste Startprozedere wurde abgebrochen, noch bevor das Rennen offiziell begonnen hatte. Für die Piloten ging es für fast drei Stunden zurück an die Box.

Anhaltender Regen und lediglich 13 Grad Celsius in den belgischen Ardennen stellten Teams wie Zuschauer vor Herausforderungen. Die Boxencrews vertrieben sich die Zeit mit Teetrinken und Kartenspielen, die Streckenposten mit Boccia ins Kiesbett. Unterdessen versuchten die Organisatoren, sogar die Strecke mit dem Kehrwagen fahrtauglich zu machen – am Ende nur mit bedingtem Erfolg.

Gemischte Gefühle

Verstappen klatschte nach dem endgültigen Abbruch mit seinem Team ab. Am Ende gab es auch die niederländische Hymne zu hören. "Es ist ein Sieg, aber so willst du ihn eigentlich nicht", sagte der 23-Jährige. "Im Nachhinein war die Pole-Position sehr wichtig. Es ist aber natürlich schade, dass wir hier keine Rennrunden drehen konnten." Die Fahrerstrecke in Spa gilt als sein Lieblingskurs.

In der WM-Wertung schob sich der Red-Bull-Herausforderer allerdings wieder ein Stück näher an Hamilton heran. Ein Umstand, der Mercedes-Teamchef Toto Wolff etwas sauer aufstieß. "Die halben Punkte sind ärgerlich, aber so ist das Reglement", erklärte der Wiener im ORF. "Das Prozedere hinter dem Safety-Car hätten wir uns eigentlich sparen können."

Wirklich fahrbar war die Strecke nämlich auch aus Sicht von Hamilton den ganzen Tag über nicht gewesen. "Man sieht keine fünf Meter aus dem Auto nach vorn. Man hat nicht einmal mehr die Rücklichter gesehen", schilderte der siebenfache Weltmeister. "Es waren nicht die Bedingungen, dass man hier ein Rennen hätte starten können. Die Leute da draußen tun mir echt leid. Sie waren unglaublich."

Russell sensationell Zweiter

Auch Russell, der nächstes Jahr Hamiltons Teamkollege bei Mercedes sein dürfte, bedauerte nach dem ersten Podestplatz seiner F1-Karriere die Fans, die so lange an der Strecke ausgeharrt hatten. Mehr Action schien aber zu gefährlich – insbesondere durch Passagen wie Eau Rouge, die schon im Trockenen zu den gefährlichsten im Rennkalender zählen. Wolff: "Wenn du da im Blindflug unterwegs bist, gibt es da oben vielleicht noch ein Pingpong, und am Ende tut sich noch jemand weh."

Im Qualifying am Samstag war Lando Norris in Eau Rouge abgeflogen und hatte seinen McLaren völlig zerstört. Der Engländer blieb bis auf eine Ellbogenprellung unverletzt und wurde im Rennen als 14. gewertet. Auf den ersten acht Plätzen landeten Fahrer aus acht verschiedenen Teams. Vierter wurde Norris' Teamkollege Daniel Ricciardo, Fünfter Ex-Weltmeister Sebastian Vettel im Aston Martin. Valtteri Bottas, den Russell 2022 bei Mercedes ablösen dürfte, kam nicht über Rang zwölf hinaus.

Perez verabschiedete sich früh

Keine WM-Punkte holte auch Sergio Perez im zweiten Red Bull. Der Mexikaner war auf dem Weg zur Startaufstellung in die Streckenbegrenzung gekracht und hatte sich die rechte Vorderradaufhängung zerstört. Bis zum ersten Startversuch wäre es sich nicht ausgegangen, beim zweiten konnte Perez nach einigen Diskussionen mit der Rennleitung, ob dies überhaupt erlaubt sei, antreten. "Eine unglaubliche Leistung unserer Mechaniker", meinte Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko. Die Bedingungen bezeichnete der Steirer im ORF als "grenzwertig". Er sagte aber auch: "Das sind hoch bezahlte Profis, die besten Fahrer der Welt."

Das erste Rennen nach der vierwöchigen Sommerpause der Formel 1 auf Montag zu verschieben stand nie wirklich zur Diskussion. Die Logistik wäre laut Marko nicht das Problem gewesen, geht der nächste Grand Prix doch bereits nächsten Sonntag in Zandvoort in den Niederlanden über die Bühne. Offenbar spielten aber auch kommerzielle Interessen der Rechteinhaber eine Rolle, das Rennen nicht an einen Wochentag zu verlegen.

Diese dürften auch dafür verantwortlich gewesen sein, den Grand Prix zumindest in irgendeiner Form durchzuboxen. "Geld regiert die Welt (im Original: "Money talks", Anm. d. Red.), und die zwei Runden, um das Rennen zu starten, sind ein reines Geldszenario", meinte Hamilton im britischen TV-Sender Sky Sports. Jeder Beteiligte würde dadurch sein Geld erhalten. "Ich finde, auch die Fans sollten ihres zurückbekommen. Sie haben nicht das gesehen, wofür sie bezahlt haben." (APA, red, 29.8.2021)

Endstand des Formel-1-Grand-Prix von Belgien am Sonntag in Spa-Francorchamps sowie die WM-Wertungen:

1. Max Verstappen (NED) Red Bull 3:27,071 Min.
2. George Russell (GBR) Williams +1,995
3. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes +2,601
4. Daniel Ricciardo (AUS) McLaren +4,496
5. Sebastian Vettel (GER) Aston Martin +7,479
6. Pierre Gasly (FRA) AlphaTauri +10,177
7. Esteban Ocon (FRA) Alpine +11,579
8. Charles Leclerc (MON) Ferrari +12,608
9. Nicholas Latifi (CAN) Williams +15,485
10. Carlos Sainz (ESP) Ferrari +16,166
11. Fernando Alonso (ESP) Alpine +20,590
12. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes +22,414
13. Antonio Giovinazzi (ITA) Alfa Romeo +24,163
14. Lando Norris (GBR) McLaren +27,110
15. Yuki Tsunoda (JPN) AlphaTauri +28,329
16. Mick Schumacher (GER) Haas +29,507
17. Nikita Masepin (RUS) Haas +31,993
18. Lance Stroll (CAN) Aston Martin +34,108
19. Kimi Räikkönen (FIN) Alfa Romeo +36,504
20. Sergio Perez (MEX) Red Bull +38,205

WM-Stand (nach 12 von 22 Rennen):

1. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 202,5
2. Max Verstappen (NED) Red Bull 199,5
3. Lando Norris (GBR) McLaren 113
4. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes 108
5. Sergio Perez (MEX) Red Bull 104
6. Carlos Sainz (ESP) Ferrari 83,5
7. Charles Leclerc (MON) Ferrari 82
8. Daniel Ricciardo (AUS) McLaren 56
9. Pierre Gasly (FRA) AlphaTauri 54
10. Esteban Ocon (FRA) Alpine 42