Im Prinzip sollte genug Holz nachwachsen, um die Nachfrage zu decken. Wegen des langen Winters war die Erntesaison heuer kurz.

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Bauen war schon einmal günstiger. Trotz Corona, manche sagen wegen Corona, haben die Preise für Baumaterialien teilweise bereits im Vorjahr Reißaus genommen und verharren auf hohem Niveau. Die Baubranche boomt nicht nur im Speckgürtel von Wien.

Es gibt Engpässe sowohl bei Dämmstoffen als auch bei Konstruktionsholz oder Baustahl. Teils ging es mit den Preisen so steil nach oben, dass Baufirmen Angebote nur noch nach Tagespreis erstellen. Da und dort munkelt man von Preisabsprachen. Produktionsbedingte Engpässe und Logistikprobleme im Zuge der Pandemie allein könnten Preissteigerungen von 300 oder 400 Prozent schwerlich erklären.

Zwei Phänomene bei Holz

"Es gab zwei Dynamiken, die die Holzindustrie weltweit noch nicht gesehen hat", versucht man bei Stora Enso, einem der weltweit führenden Forstunternehmen, Papier- und Verpackungsmittelhersteller, eine Erklärung. "Einerseits die sehr dynamische Nachfrage in Zeiten von Corona, die durch staatliche Prämien unterstützt wurde. Andererseits hat der Winter in vielen Ländern länger als sonst gedauert, sodass man erst verspätet Holz aus dem Wald holen konnte.

Holz ist aber bei weitem nicht das einzige am Bau eingesetzte Material, das sich in kürzester Zeit stark verteuert hat. Auch die Preise für Baustahl, Dämmstoffe oder Sanitärkeramik sind nach oben geschnellt. Die am Dienstag von der Austria Presse Agentur publizierten Ergebnisse des aktuellen Branchenradars lassen den Schluss zu, dass die Bauwirtschaft auch heuer neuerlich ein rasantes Wachstum verzeichnet. Das auf Branchenanalysen spezialisierte Marktforschungsinstitut hat sich den Umsatz im ersten Halbjahr 2021 in 32 Warengruppen angesehen und festgestellt, dass dieser im Durchschnitt um rund 18 Prozent gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres geklettert ist.

Starkes Wachstum im Halbjahr

Mit 19 Prozent ist der Umsatz mit klassischen Baustoffen am stärksten gestiegen. Bei Dämmstoffen und Mauersteinen gab es ein Plus von 15 bzw. 17 Prozent, bei Fertigteilhäusern von 18 Prozent. Sanitärkeramik legte umsatzmäßig um 19 Prozent zu, Flächenheizungen und Wohnraumlüftungen um 15 Prozent.

Zwar werde das Umsatzwachstum bis Jahresende etwas nachlassen, dennoch erwarten die Unternehmen für das Gesamtjahr ein Erlösplus von durchschnittlich 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Etwa die Hälfte des Wachstums dürfte preisgetrieben sein. Sollte sich die Prognose erfüllen, "wäre das Jahr 2021 für die Hersteller bauaffiner Erzeugnisse wohl eines der erfolgreichsten seit sehr, sehr langer Zeit", resümiert der Branchenradar.

Die Bautätigkeit ist das eine, CO2-Einsparungen angesichts des fortschreitenden Klimawandels das andere. Die Holzwirtschaft sieht sich jedenfalls gut aufgestellt, auch und gerade was Nachhaltigkeit betrifft. "Holz ist das einzige Material im Baubereich, das wirklich nachwachsen kann", sagt Harald Schwarzschachner, Ökobilanz-Experte bei Stora Enso Österreich, im Gespräch mit dem STANDARD. Statt weiter Neubauflächen auszuweisen, noch mehr Böden zu versiegeln und fossile Rohstoffe zu nutzen, sei die Zeit gekommen für Nachverdichtung, Modularität und in die Höhe zu bauen statt in die Breite. "Genau dort liegt das große Potenzial des Holzbaus."

Holz als CO2-Speicher

Noch würden da und dort baurechtliche Anforderungen einer rascheren Verbreitung des Holzbaus entgegenstehen. Doch die Zeit arbeite für dieses Baumaterial. Gerade beim Dachausbau sei Holz unschlagbar. "Weil das Material leichter ist, ist es möglich, bis zu drei Stockwerke mehr draufzusatteln im Vergleich zu Beton", sagt Johanna Kairi, Business Development Managerin bei Stora Enso Österreich. Bei einer kaskadischen Nutzung könne Holz immer wieder rekuperiert und neu eingesetzt werden. Das im Holz gespeicherte CO2 könne somit jahrhundertelang gebunden bleiben.

Der finnisch-schwedische Konzern Stora Enso ist in Österreich mit drei Sägewerken in Ybbs/Donau, Brand (beide NÖ) und Bad St. Leonhard (Kärnten) vertreten. In Ybbs und St. Leonhard werden Massivholzelemente (CLT) hergestellt. (Günther Strobl, 1.9.2021)