Im Vergleich zum Vorjahresquartal legte die Wirtschaftsleistung um zwölf Prozent zu – zu tun hat das mit florierenden Wirtschaftsbereichen wie Handel, Bau, Industrie und Banken.

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Österreichs Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2021 zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Krise wieder gewachsen, im Vergleich zum Vorjahresquartal legte die Wirtschaftsleistung um zwölf Prozent zu. Inzwischen ist das Vorkrisenniveau fast wieder erreicht, geht aus dem Austrian Recovery Barometer der Statistik Austria hervor. "Viele Wirtschaftsbereiche haben die Krise bereits hinter sich gelassen", sagte Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Kräftigster Einbruch der Nachkriegszeit

Die Corona-Pandemie hatte wirtschaftlich gravierende Folgen. Am stärksten fiel der Einbruch der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2020 mit einem Rückgang um 12,8 Prozent aus. "Das war der kräftigste Einbruch in der Nachkriegszeit", sagte Thomas. Der Rückschlag war auch viel stärker als während der Wirtschafts- und Finanzkrise, als das BIP im zweiten Quartal 2009 um 5,9 Prozent schrumpfte. Auch der Rückgang des Jahreswachstums war 2020 mit 6,2 Prozent deutlich stärker als im Jahr 2009.

"Im zweiten Quartal 2021 ist der österreichischen Wirtschaft der Turnaround gelungen", sagte Statistik-Chef Thomas. Allerdings hat das BIP-Wachstum von zwölf Prozent auch mit dem Basiseffekt zu tun – die Vergleichswert des zweiten Quartals 2020 war sehr niedrig. Gemessen am zweiten Quartal 2019 lag die Wirtschaftsleistung im zweiten Jahresviertel 2021 aber schon bei 97,6 Prozent. "Damit liegt Österreichs Wirtschaft fast schon auf Vorkrisenniveau", sagte Thomas.

Der Außenhandel hat sich seit März 2021 stark erholt. Im Mai lagen Österreichs Importe bereits bei 101,1 Prozent des Vorkrisenniveaus (Mai 2019), bei den Exporten wurden rund 98 Prozent erzielt.

Die Corona-Pandemie hat die Gastronomie und die Hotellerie hart getroffen: mit 47,7 Prozent sind sie noch weit von der früheren Wirtschaftsleistung entfernt.
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Branchen unterschiedlich getroffen

"Viele Wirtschaftsbereiche haben die Krise bereits hinter sich gelassen", so Thomas. Handel, Bau, Industrie und Banken haben das Vorkrisenniveau bereits überschritten, während Gastronomie und Beherbergung mit 47,7 Prozent noch weit davon entfernt sind. Auch die "sonstigen Dienstleistungen", etwa Friseure oder Kulturbereich, haben mit 75,7 Prozent der früheren Wirtschaftsleistung die Krise noch lange nicht überwunden.

Gastronomie und Beherbergung haben in Österreich einen vergleichsweise großen Anteil an der gesamten Wertschöpfung: Im Durchschnitt der EU-27 beträgt der BIP-Anteil dieser Branchen 3,6 Prozent, in Österreich sind es in normalen Zeiten 5,2 Prozent. Noch schwerer wiegen Gastronomie und Hotellerie nur in Zypern, Griechenland, Kroatien, Spanien und Portugal. Im zweiten Quartal 2021 trugen Gastronomie und Beherbergung allerdings nur mit 2,7 Prozent zur österreichischen Wertschöpfung bei.

In der bisherigen Tourismussommersaison (Mai bis Juli) gab es zwar um ein Fünftel mehr Nächtigungen als im Vorjahr, aber immer noch um ein Drittel weniger als im gleichen Zeitraum 2019. Im Juli lagen die Nächtigungen bei 82,3 Prozent des Vorkrisenniveaus vom Juli 2019. Zwar liegt dieser Wert bei Inlandstouristen mit 113,7 Prozent deutlich höher, doch konnten die Ausfälle bei den ausländischen Gästen dadurch nicht ausgeglichen werden.

Entspannung am Arbeitsmarkt

Eine deutliche Entspannung gibt es derzeit am Arbeitsmarkt. Die Beschäftigung hat im Juli bereits 100,4 Prozent des Vorkrisenniveaus erreicht. "Allerdings spielt dabei auch die Kurzarbeit eine gewichtige Rolle", so Thomas. "Ohne Kurzarbeit wäre im gesamten Krisenverlauf der Beschäftigungseinbruch stärker ausgefallen." Die Arbeitslosenquote von 6,9 Prozent nach nationaler Definition war im August nur um einen Prozentpunkt höher als im August 2019. Gleichzeitig gab es aber auch fast 139.000 offene Stellen – das war der höchste Wert seit 2009 und um 7,3 Prozent mehr als im zweiten Quartal 2019. Die Langzeitarbeitslosigkeit geht in den letzten Monaten zwar zurück, ist aber immer noch um die Hälfte höher als vor der Corona-Krise.

Die Staatsschuldenquote ist im vergangenen Jahr durch den Rückgang der Steuereinnahmen bei gleichzeitig höheren Ausgaben durch die Corona-Hilfen von 70,5 Prozent auf 83,9 Prozent gestiegen und hat sich im ersten Quartal 2021 auf 87,4 Prozent erhöht. "Die Corona-Krise hat Österreich vom Konsolidierungspfad gedrängt", so Thomas. "Es wird ein langer Weg, die Staatsfinanzen zu konsolidieren." (APA, red, 2.9.2021)