Ein Boot voller Flüchtlinge wird von der "Sea Watch 3" im Mittelmeer gerettet.

Foto: AP/Adrian Pourviseh

Berlin – Die illegale Migration in die EU über das Mittelmeer nimmt einem Medienbericht zufolge weiter zu. Wie die "Welt am Sonntag" (WamS) unter Berufung auf einen internen Report der EU-Kommission berichtete, lag die Zahl der illegalen Einreisen aus der Türkei in die EU in dieser Woche auf dem höchsten Stand seit Anfang März 2020, als die Coronavirus-Pandemie die internationale Mobilität einschränkte.

Demnach kamen seit Anfang des Jahres 4.577 Menschen auf dem Seeweg oder über die Landgrenze aus der Türkei ins benachbarte Griechenland. Das weiter entfernte Italien erreichten 4.739 Menschen aus der Türkei, darunter 670 in der vergangenen Woche. Von der nordafrikanischen Küste aus gelangten zuletzt innerhalb einer Woche laut dem EU-Bericht sogar 3.236 Flüchtlinge nach Italien – so viele wie seit Juli 2017 nicht mehr.

Insgesamt kamen laut "WamS" in diesem Jahr 39.183 Migranten über die zentrale Mittelmeerroute, 83 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und sieben Mal mehr als 2019. In Spanien wurden bisher 20.500 Ankömmlinge gezählt, ein Plus von 47 Prozent. Dennoch sei die Lage an den EU-Außengrenzen ruhiger als in den Jahren der Migrationskrise rund um 2015.

72.000 Asylanträge in Deutschland bis Ende Juli

In Deutschland wurden dem Bericht zufolge bis Ende Juli 72.000 Asyl-Erstanträge gestellt – überwiegend von Migranten, die aus anderen EU-Ländern unerlaubt einreisten. Oft handelte es sich demnach um Asylbewerber, die in Griechenland schon abgelehnt oder anerkannt wurden. Der Juli war mit rund 12.200 Erstanträgen der zugangsstärkste Monat seit Jänner 2020. Afghanen stellten demnach im laufenden, wie schon im vergangenen Jahr, die zweitgrößte Gruppe nach Syrern.

Die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR geht laut "WamS" davon aus, dass in diesem Jahr 570.000 Afghanen innerhalb ihres Landes vertrieben wurden, vor allem seit Mai, als die radikalislamischen Taliban ihren Eroberungsfeldzug starteten. Weil sich die Sicherheitslage in einigen Gebieten stabilisiert habe, seien inzwischen aber auch "einige Binnenvertriebene" in ihre Heimatorte zurückgekehrt, heißt es demnach in einem Lagebericht vom 1. September.

Die meisten Grenzübergänge in die Nachbarstaaten seien geschlossen, dennoch nehme die Organisation eine stete Bewegung von Afghanen Richtung Pakistan wahr, hieß es in dem Bericht weiter. Das UNHCR bereite sich "gemeinsam mit den Regierungen der Anrainerstaaten auf potenzielle Großbewegungen afghanischer Flüchtlinge vor, um ihnen Asyl zu ermöglichen".

Hoffnung auf gemeinsame EU-Asylpolitik

EU-Vize-Kommissionspräsident Margaritis Schinas forderte unterdessen, die EU müsse in der Migrationspolitik vom Modus der "Brandbekämpfung" wegkommen. Er äußerte mit Blick auf den Streit über Flüchtlinge an der östlichen EU-Grenze die Hoffnung auf eine gemeinsame EU-Asylpolitik. Die Situation an der Grenze zu Belarus sei ein Zeichen, "dass es jetzt höchste Zeit ist, einen berechenbareren, umfassenden europäischen Rahmen für die Migrationspolitik zu schaffen", sagte der EU-Politiker. (APA, 5.9.2021)