In El Salvador ist der Bitcoin nun endgültig eine offizielle Währung.

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Als wirtschaftlicher Nabel der Welt ist das zentralamerikanische El Salvador nicht bekannt, dennoch übernimmt es nun eine Vorreiterrolle: Ab Dienstag ist Bitcoin gesetzliches Zahlungsmittel. Es ist ein großer Schritt für das kleine Land – einen ähnlich bedeutenden machte es vor genau 20 Jahren. Damals führte El Salvador den US-Dollar als offizielles Zahlungsmittel ein. Seither ist das Land von der Geldpolitik der US-Notenbank abhängig.

Dass sich El Salvador dadurch unabhängiger von den USA machen möchte, glaubt Finanzexperte Bernhard Kronfellner der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) nicht: "Der Dollar bleibt Zahlungsmittel, und die USA sind das Exportland Nummer eins, ich glaube nicht, dass El Salvador daran rütteln möchte." Vermutlich wolle die Regierung versuchen, ein kryptofreundliches Umfeld zu schaffen und sich dadurch für aufstrebende Unternehmen aus der Branche attraktiv zu positionieren.

Bitcoin beflügelt

Das dementsprechende Gesetz wurde zwar bereits vor drei Monaten verabschiedet, doch wenig überraschend befeuerte der bevorstehende Start den Kurs der Krypto-Königin-Mutter Bitcoin. Vorübergehend stieg der Preis auf über 52.000 Dollar, das entspricht einem Plus von vier Prozent, und der Kurs war damit erstmals wieder so hoch wie vor vier Monaten. "Die Skepsis über die Praxistauglichkeit ist für Anleger lediglich Nebensache", sagt Analyst Timo Emden von Emden Research.

Was genau ändert sich? Jeder Händler muss Bitcoin als Zahlungsmittel annehmen, der technisch dazu in der Lage ist. Auch Steuern können in der Kryptowährung bezahlt werden. Auf Kursgewinne mit Bitcoin soll keine Kapitalertragsteuer erhoben werden.

Den Wechselkurs zum Dollar, soll der Markt frei entscheiden. Wer die digitale Geldbörse Chivo herunterlädt, bekommt nach Angaben des Präsidenten Nayib Bukele ein Startguthaben im Wert von 30 US-Dollar (rund 25 Euro). Es soll demnach auch 200 Chivo-Bankomaten geben.

DER STANDARD

Unbrauchbar für Zahlungen

Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass Bitcoin zu einem tatsächlich verwendeten Zahlungsmittel wird. Dafür eignet sich die Technologie alleine deswegen nicht, weil die Transaktionen viel zu lange dauern. "Bitcoin eignet sich als bekanntes Zugpferd gut für den Start. Wirklich bezahlen wird man wohl irgendwann mit anderen Coins", meint BCG-Experte Kronfellner. Die Einführung verleihe dem Land einen gewaltigen Technologie-Boost und ermögliche es wahrscheinlich, andere Länder in dieser Größenordnung zu überholen. Die Regierung setzt überdies auf den Inklusionseffekt: Ihr zufolge hätten etwa 70 Prozent der rund sechs Millionen Bewohner El Salvadors keinen Zugang zu traditionellen Finanzdienstleistungen. Viele seien auf Geldsendungen ihrer Angehörigen in den USA angewiesen. Ein Mobiltelefon hat Experten zufolge dagegen fast jeder. Präsident Bukele will mit der Einführung von Bitcoin eigenen Aussagen zufolge Auslandsüberweisungen vereinfachen und billiger machen.

Großen Anklang findet die Einführung bei der Bevölkerung nicht. Nach einer landesweiten Umfrage der Universidad Centroamericana (UCA) vom August, bei der knapp 1300 Teilnehmer befragt wurden, lehnen fast 70 Prozent der Salvadorianer das Bitcoin-Gesetz ab. Nur knapp fünf Prozent seien dafür. (Andreas Danzer, 6.9.2021)