Marokko hat gewählt – und das missfällt vor allem der bisherigen Regierungspartei.

Foto: AP / Abdeljalil Bounhar

Rabat – Die marokkanische Regierungspartei PJD hat bei der Parlamentswahl eine heftige Niederlage erlitten. Die seit 2011 regierende gemäßigt islamistische Partei für Recht und Gerechtigkeit fällt voraussichtlich von 125 auf zwölf Sitze, wie Innenminister Abdelouafi Laftit Donnerstagfrüh mitteilte. Drei Parteien schnitten demnach besser ab als die PJD.

Rittern um Platz eins

Laut dem vorläufigen Wahlergebnis konkurrieren die liberalen Parteien Unabhängige Nationalversammlung (RNI) und Partei für Ehrlichkeit und Modernität (PAM) um den Wahlsieg. Die stärkste Fraktion im Parlament stellt in Marokko den Regierungschef, der von König Mohammed VI. ernannt wird. Auch die Mitte-rechts-Partei Istiqlal landete demnach vor der PJD.

Die Wahlbeteiligung fiel mit knapp über 50 Prozent deutlich höher aus als bei der letzten Wahl vor fünf Jahren. Damals hatten nur 43 Prozent ihre Stimme abgegeben. Ein Grund für das größere Interesse dürfte sein, dass erstmals zeitgleich auch Regional- und Kommunalwahlen abgehalten wurden.

PJD wittert Wahlbetrug

Die PJD hatte zuvor Vorwürfe des Wahlbetrugs geäußert. "Wir sind sehr besorgt", teilte sie am Mittwoch mit. "Wir haben mehrere Unregelmäßigkeiten festgestellt." Die Partei berichtete unter anderem von "Bargeldverteilungen" in der Nähe von Wahllokalen und "Verwirrung" bei einigen Wählerverzeichnissen, in denen manche Wähler nicht aufgeführt waren. (APA, 9.8.2021)