Sigrid Horn ist einer der Acts, die beim heurigen Most & Jazz im steirischen Fehring auftreten.

Foto: Mila Zytka

Der Titel stapelt ein bisserl tief. Auf "Most" folgt ein maulfaules "Jazz" – lapidar verbunden durch ein "&". Bloß keine unnötige Anstrengung, nur keine Wellen. Das ist definitiv zu bescheiden, aber es passt.

Most & Jazz ist ein jährlich stattfindendes Festival in der südoststeirischen Ortschaft Fehring. Tolle Hügellandschaft, viele Sonnentage, nette Leut’. Klingt wie der Tourismuswerbung für die Region entnommen, stimmt aber. Und natürlich steckt dahinter jede Menge Arbeit und Hingabe.

Plattenpresse

Fehring tauchte in den letzten Jahren immer wieder in der Kulturberichterstattung auf. Schließlich wurde dort mit Austrovinyl das erste relevante heimische Schallplattenpresswerk eröffnet, nachdem die Viennola im Wiener Speckgürtel 1997 die Produktion eingestellt und 2002 zugesperrt hatte. Austrovinyl hat 2017 das Plattenpressen hierzulande wiederbelebt: "We Love Vinyl – das ist unsere Plattitüde", steht auf der Homepage von Austrovinyl.

Einer der drei Vinylliebhaber ist Peter Wendler. Er hat 2019 das seit 23 Jahren laufende Most-&-Jazz-Festival übernommen. Und was soll man sagen, das Programm zeigt durchaus Symbiosen, die durch die Kundschaft von Austrovinyl entstanden sind. So manche Band, so manche Künstlerin, die ihre Musik in Fehring auf Vinyl pressen lässt, ist von der Gegend und den Personen angetan und spielt auf Zuruf.

Prost Jazz!

Diese Woche ist es wieder so weit. Am Donnerstag geht’s los, vier Tage Prost, Pardon, Most & Jazz, wobei das Vorspiel zum langen Wochenende mit kleinen Veranstaltungen bereits seit Tagen Fahrt aufnimmt.

Bis inklusive Sonntag tönt es in Fehring und in ausgesuchten Spielstätten in der näheren Umgebung noch nach verschiedenster Art. Am Donnerstag geht man’s vergleichsweise gemütlich an, ein paar DJs und die Band Sharktank wärmen auf der Straße vor dem Plattenpresswerk auf, dazu gibt es regionale Verköstigung in verschiedenen Aggregatzuständen.

Am Freitag wandert das Festival ein paar Minuten weiter auf den Fehringer Hauptplatz. Dort schieben dann drei Bands an. Die Klezmer Explosion mit – wer hätte es gedacht? – hochprozentigen Klezmer-Sichtungen.

Heimspiel

Weiters der ebenfalls nicht gerade somnambule Uli Drechsler sowie der Hammond-B3-Orgel-Kaiser Raphael Wressnig. Für Wressnig ist es gewissermaßen ein Heimspiel, er kommt aus der Gegend und wird sein eben erschienenes Album Groove and Good Times präsentieren, das er mit dem Gitarristen Igor Prado eingespielt hat.

Am Samstag tritt ebendort die wunderbare Sigrid Horn mit ihren Liedern auf, die sie auf dem Klavier oder der Bonsaigitarre spielt: der Ukulele. Der omnipräsente Nino aus Wien ist dabei und wird im klassischen Austropop verwurzeltes und verwuzeltes Liedgut präsentieren. Die junge Band Oska berichtet aus dem Bereich Schwermut und Traurigkeit, den Anfang macht an dem Tag die ungarische Combo Mörk.

Goschert

Am Sonntag wird Shake Stew den Asphalt auf dem Hauptplatz weichspielen, mit ihrer hotten Mixtur aus Jazz, Afro-Beat und Funk. Die Sir Oliver Mally Group präsentiert ihr neues Album Tryin’ To Get By; Marina & The Kats aus Graz werden die Tanzbeine des Fehringer Publikums mit lässigem Vintage-Swing und goscherten Texten belasten.

Ziemlich super ist auch das Ralph Mothwurf Orchestra, das als vielköpfige Mannschaft mit leger montierten Scharnieren durch diverse Jazz-Stile holzt. Wer dabei sitzen bleibt, muss festgeschraubt sein. Wem das jetzt vom Programm her noch nicht dicht genug ist, kann sich frühmorgens schon mit Jazz und spätnachts noch mit Partymusik bespielen lassen.

Ganz schön üppig, was sich da hinter zwei Einsilbern offenbart (Karl Fluch, 9.9.2021)