Ein Querulant im US-Kapitol? Nein, es ist David Scheid bei der Arbeit.

Ernesto Gelles

In der ORF-Mockumentary-Serie Dave gab David Scheid zuletzt einen wohlstandsverwahrlosten Taugenichts, der sich mit null Talent zu einer Weltkarriere hochrappen oder eher -schnorren will und daran, eh klar, scheitert.

In seinem neuen Kabarettprogramm Als die Welt noch eine Scheibe war, ab sofort unter anderem im Wiener Kabarett Niedermair zu sehen, kehrt er nun zu seinen bisherigen Meriten als lustigster Hip-Hop-DJ des Landes zurück: Er scratcht zu Audiosamples aus ZiB 2-Interviews, rappt gegen türkise Freunderlwirtschaft an oder übersetzt US-Gangstarap-Texte ins Helmut-Qualtinger-Wienerisch.

Da kommt immer wieder die Loop-Machine zum Einsatz, ebenso der Autotune-Verzerrer, aber auch das schnöde Literatursendungssetting darf nicht fehlen. Als wirkliches Bonuspaket hat Scheid diesmal multimediale Ergänzung durch allerlei Videoeinspieler parat. Ansonsten gibt er aber auch einige Nummern, die er aus dem Vorgängerprogramm mitgenommen hat – einen Rap im Stile Walthers von der Vogelweide zum Beispiel. Dazu besticht Scheid aktuell auch wieder optisch als Plattengott mit Jihadistenbart – oder QAnonist im US-Kapitol, ganz wie man will.

Keine wirkliche Handlung

In Summe hätte man sich mehr durchgängige Erzählung gewünscht. Denn den Titel Als die Welt noch eine Scheibe war, der, wie im Openervideo angekündigt wird, als Anspielung auf grassierende Verschwörungstheorien einerseits und als sich drehende Weltschallplatte andererseits gemeint ist, webt Scheid mit Fortdauer des Programms zu keinem nachvollziehbaren Handlungsteppich zusammen. So müssen jene, die seine Vorgängerprogramme bereits kennen, das neue nicht unbedingt sehen. Jene, die noch nie eine Scheid-Show gesehen haben, werden aber gut bedient.

Und wie offen David Scheid nach seiner Dave-Erfolgsserie einbekennt, er habe seine Seele an den ORF verkauft und müsse neuerdings so viele ihm widerstrebende Hände schütteln, dass er sich deswegen nach der Morgenonanie nicht mehr die Hände wäscht, ist natürlich große Klasse. Der neue ORF-Chef Roland Weißmann bekommt übrigens auch sein Fett ab: Seine Unabhängigkeit könnte dieser wohl durch nichts einfacher beweisen, als dass er Dave in eine zweite Staffel schickt. Die wäre nämlich ein Hit! (Stefan Weiss, 10.9.2021)