Die Regierung habe viele Maßnahmen zum Schutz der Kinder zu spät oder gar nicht getroffen, monieren die Schulsprecher in ihrem offenen Brief.

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Zum Start des neuen Schuljahrs im Westen Österreichs haben 32 Wiener Schulsprecherinnen und Schulsprecher ihren Unmut über die Corona-Politik an Österreichs Schulen kundgetan. Monatelang wurde propagiert, man dürfe den Sommer nicht verschlafen und die Fehler wiederholen, "bloß um dann den Sommer zu verschlafen und die Fehler zu wiederholen", heißt es in dem zweiseitigen Schreiben. Sie fordern daher weitgehende Maßnahmen, vor allem zum Schutz ungeimpfter Kinder.

Mangelnde und (zu) späte Vorbereitung

In dem Brief werfen die Schülerinnen der Bundesregierung eine "kontrollierte" Durchseuchung der Jugend" vor. Und diese verstoße klar gegen den Artikel 24 der UN-Kinderrechtskonvention, die festlege, dass alle Kinder ein Recht auf das "erreichbare Höchstmaß an Gesundheit" haben. Dieses sehen die Schulsprecher aktuell nicht gegeben: Die Sieben-Tage-Inzidenz bei ungeimpften 12- bis 17-Jährigen lag in sechs von neun Bundesländern noch vor Schulbeginn bei über 400. Dass die Regierung es verabsäumt hat, etwa frühzeitig Luftreinigungsgeräte zu beschaffen – und somit "Masseninfektionen bei Schülern" in Kauf nehme –, bezeichnen sie in dem Schreiben als "moralisch verwerflich".

Das wichtigste Ziel für das Schuljahr: Distance-Learning, wie im vergangenen Jahr, müsse unbedingt verhindert werden – allerdings steuern die aktuellen Corona-Maßnahmen darauf hin, kritisieren die 32 Schulsprecher. Sie fordern daher eine flächendeckende Anschaffung von Luftfiltern und den konsequenten Schutz von ungeimpften Kindern, etwa durch eine Impfpflicht für Kindergarten- und Volksschulpersonal.

Dem ständigen Leistungsdruck könne in diesem Jahr nur mit einer Streichung von Lehr- und Maturastoff entgegengewirkt werden: Für die Matura fordern sie einen klaren und Corona-gerechten Fahrplan noch in diesem Jahr. Auch für die FFP2-Masken-Pflicht im Schulgebäude sprechen sich die Schulsprecher aus. Zudem fordern sie nach der Solidarität für die ältere Bevölkerung, "endlich die Jungen in den Mittelpunkt zu stellen". (etom, red, 13.9.2021)