Chris Sembroski, Sian Proctor, Jared Isaacman und Hayley Arceneaux wollen drei Tage im Weltraum verbringen.
Foto: John Kraus/Inspiration4/AP

Ohne professionelle astronautische Begleitung starten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag vier Personen im Zuge der "Inspiration 4"-Mission in den Weltraum. Um 20.02 Uhr Ortszeit (am 15.9.) soll sich das Zeitfenster für den Start der Falcon-9-Rakete des US-Raumfahrtunternehmens Space X am Kennedy Space Center in Florida öffnen – das entspricht bei uns 2 Uhr morgens am 16. September.

An Bord der "Crew Dragon"-Raumkapsel sind neben Milliardär und Pilot Jared Isaacman (38) auch die Arzthelferin Hayley Arceneaux (29), der Raumfahrtingenieur Chris Sembroski (42) und die Pilotin, Geowissenschaftsprofessorin und Künstlerin Sian Proctor (51), die einer Astronautin wohl noch am ehesten entspricht: Sie kam 2009 immerhin in die Endauswahl für das astronautische Anwärterprogramm der US-Weltraumbehörde Nasa.

Ferner als die ISS

Die Rakete wird Pilotin und Passagiere in eine Erdumlaufbahn bringen – in 575 Kilometern Höhe, das ist höher als die Internationale Raumstation ISS, die in etwa 400 Kilometern Höhe um die Welt kreist (und wohin Space X im Auftrag der Nasa bereits zehn Astronautinnen und Astronauten gebracht hat). Während der dreitägigen Mission wird auch ein Forschungsprojekt durchgeführt, wobei unter anderem Gesundheitsdaten der Personen gesammelt werden. Am Ende der Exkursion ins All steht eine Wasserlandung. Filmisch wird das Projekt von Netflix festgehalten, das bereits Episoden der Miniserie "Countdown: Inspiration 4 Mission to Space" über die Vorbereitungen veröffentlicht hat und auf Youtube für den Raketenstart eine Liveübertragung einrichtet.

Netflix

Space X hat einen eigenen Youtube-Übertragungsstream, auf dem auch für das St. Jude Children's Research Hospital in Memphis gesammelt wird, an dem Hayley Arceneaux arbeitet und das Jared Isaacman in Zusammenhang mit dem Raumflug auch karitativ unterstützt.

Diese Mission geht weiter als die anderen Weltraumflüge, die in diesem Jahr bei den Space-X-Konkurrenten Virgin Galactic und Blue Origin mit deren Gründern Richard Branson und Jeff Bezos durchgeführt wurden: Sie befanden sich nur wenige Minuten in suborbitaler Schwerelosigkeit. Mit der Höhe und Dauer der Inspiration-4-Mission ist auch ein höheres Risiko verbunden, etwa in Bezug auf die Strahlenbelastung im Weltraum.

Europäischer Weltraumtourismus

Die Raumfahrerinnen und Raumfahrer, die sich in den vergangenen vier Monaten intensiv auf diesen Flug vorbereitet haben, zeigen sich jedoch vor allem enthusiastisch. "Wir sind nicht nervös, sondern aufgeregt, dass es losgeht", sagte Isaacman, der das Zahlungsverarbeitungsunternehmen Shift 4 Payments gründete und finanziell hinter der Mission steht. Wie viel diese kostet, wurde nicht enthüllt, in Spekulationen ist von rund 200 Millionen Dollar und mehr die Rede. Eine so hohe Summe will Isaacman auch für das Kinderkrankenhaus sammeln.

Wer es sich leisten kann, dürfte den Pionierinnen und Pionieren in künftigen Flügen nachfolgen. Esa-Chef Josef Aschbacher verlautbarte bereits vor kurzem, es werde in fünf oder sieben Jahren wohl "auch mehr Weltraumtouristen geben als normale Astronauten". Europa dürfe deshalb keine Chancen vorbeiziehen lassen. Der Luft- und Raumfahrtkoordinator der deutschen Bundesregierung, Thomas Jarzombek, wies ebenfalls darauf hin, dass man in Europa nicht erneut ein "Technologiefeld am Ende anderen überlassen" dürfe. (red, 15.9.2021)