Die roten, auf den weißen Stoff gepinselten Buchstaben waren nicht zu übersehen. "Tax the Rich" (besteuert die Reichen) stand auf dem Rückenteil von Alexandria Ocasio-Cortez' Kleid. Das Statement, oder besser: dessen Inszenierung, sorgte umgehend für Diskussionen: Die demokratische Kongressabgeordnete führte den Spruch schließlich während der Met Gala, der glamourösen Spendenveranstaltung für das Kostüminstitut des Metropolitan Museum, im Blitzlichtgewitter spazieren.

Die einen applaudierten der 31-Jährigen für ihren öffentlichkeitswirksamen Auftritt inmitten der Reichen und Schönen, der Privilegierten von der Upper East Side. Absurd sei das Statement, riefen die anderen. Warum nimmt Ocasio-Cortez an einer Veranstaltung teil, die sich nur wenige Wohlhabende leisten können? Für ein Gala-Ticket müssen rund 30.000 Dollar hingeblättert werden, für einen Tisch zwischen 200.000 und 300.000 Dollar. Was können ein paar bunte Buchstaben auf einem Designerkleid schon bewirken? Und: Feiert hier eine medial versierte Politikerin einfach nur sich selbst?

Ohne den auffälligen Pinselstrich hätte das helle "Mermaid"-Kleid kaum für Aufmerksamkeit gesorgt: Alexandria Ocasio-Cortez (links) kam mit Aurora James, der Designerin des Kleides.
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Ocasio-Cortez konterte. Sie postete auf Instagram ein Bild, das sie gemeinsam mit der Designerin des Kleides, Aurora James, zeigt, und kommentierte: "Das Medium ist die Botschaft." Regelmäßig würden Politikerinnen und Politiker zur Met Gala eingeladen, sie habe neben anderen Abgeordneten zugesagt. Das Kleid: eine Leihgabe.

Ein Nachgeschmack blieb. Vielleicht auch, weil es in den vergangenen Jahren Mode geworden ist, politische Statements Social-Media-tauglich aufzubereiten und in zahnlose Sprüche zu verwandeln.

Die demokratische Politikerin war übrigens nicht die Einzige, die etwas zu sagen hatte: Die Kongressabgeordnete Carolyn Maloney forderte mit einem ausladenden Kleid in Lila, Weiß und Gold, den Farben der Suffragetten-Bewegung, "Equal Rights for Women".

Carolyn Maloney im ausladenden Kleid während der Met Gala.
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Model Cara Delevingne erschien in einem Harnisch des Modehauses Dior. Befragt, was sie mit "Peg the Patriarchy" denn sagen wolle, gab die Britin zu Protokoll, sie wolle Frauen "empowern".

Cara Delevingne: Mehr als nur Sprüche klopfen?
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Blöd nur, dass darüber eine Frau vergessen wurde: Die kanadische Künstlerin Luna Matatas druckt "Peg the Patriarchy" schon seit einigen Jahren auf T-Shirts, sie hat sich ein eigenes Business aufgebaut. Stimmen wurden laut, dass die Urheberinnenschaft nicht klargemacht worden sei. Nun können Cara Delevingne und ihr Ausstatter unter Beweis stellen, dass der Spruch mehr als eine hohle Phrase für den roten Teppich ist. (Anne Feldkamp, 15.9.2021)