Ohne grünen Pass geht bald nichts mehr.

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Es mag nicht zuletzt die traumatische Erinnerung an den Spätwinter und das Frühjahr des ersten Pandemiejahres 2020 gewesen sein: Damals galt Italien als Corona-Hotspot, das Gesundheitssystem kollabierte, abertausende Menschen mussten sterben, ohne jemals adäquate medizinische Behandlung erhalten zu haben. Um nicht noch einmal in die Nähe einer solchen Gefahr zu kommen, will Regierungschef Mario Draghi Italien nun zum Musterschüler in Sachen Impfprävention machen. Und wenn es sein muss, dann auch mit großem Druck.

Diesen Druck werden vor allem die noch immer ungeimpften Italienerinnen und Italiener verspüren: Denn ab 15. Oktober sollen nur noch Personen den Arbeitsplatz betreten dürfen, die entweder geimpft, aktuell getestet oder nachweislich genesen sind. Diese 3G-Regelung wird für die gesamte Arbeitswelt gelten – in privaten Büros genauso wie in Geschäften, auf Ämtern oder in der Gastronomie. Ausnahmen: keine.

Die Kontrollpflicht liegt bei den Firmen und Verwaltungen. Wer ohne gültigen Green Pass (am Smartphone oder als Papierausdruck) am Arbeitsplatz erwischt wird, wird nach Hause geschickt und erhält eine Geldstrafe von bis zu 1.000 Euro. Zertifikatsfälschungen ziehen ein Strafverfahren nach sich, unentschuldigte Abwesenheit wird mit Aussetzung der Gehalts- oder Lohnzahlungen geahndet.

Täglich testen?

Am stärksten trifft die vorerst bis Jahresende geltende Regelung die Ungeimpften, denn sie müssen sich fast im Tagesrhythmus um einen (negativen) Test kümmern. Verständlich also, dass es vor allem aus dieser Ecke lautstarken Protest zu hören gab – doch Ministerpräsident Draghi und der für die Impfkampagne zuständige Regierungskommissar Francesco Paolo Figliuolo blieben hart: Nur mit dieser drastischen Maßnahme könne man heutzutage eine markant höhere Impfquote erreichen, hieß es.

Die Rechnung scheint tatsächlich aufzugehen: Schon vergangene Woche, also einen knappen Monat vor Inkrafttreten der Regelung, verzeichnete die Gesundheitsbehörde bei den Covid-Impfungen ein Plus von 35 Prozent gegenüber der Vorwoche. Nunmehr sind rund 41 Millionen Personen geimpft – das entspricht einer Durchimpfungsquote von über 75 Prozent der Italienerinnen und Italiener über zwölf Jahren. Es ist zu erwarten, dass der Trend so weitergeht.

Gleichzeitig wurde in Italien am Montag mit Drittimpfungen begonnen. Zielgruppe sind vorerst rund drei Millionen Hochrisikopatienten mit geschwächtem Immunsystem. Danach kommen Bewohner und Mitarbeiter von Altersheimen, Menschen über 80 und das Gesundheitspersonal dran. Zum Einsatz kommen dabei die mRna-Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna. (Gianluca Wallisch, 21.9.2021)