Macht sich über US-Präsident Biden und seinen Nachfolger Naftali Bennet lustig: Benjamin Netanjahu.

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Zum Start der neuen Woche geht Benjamin Netanjahu auf Facebook live. Auf der Dachterrasse des Likud-Bürogebäudes in Tel Aviv stehend kommentiert er das politische Tagesgeschehen – und holt aus gegen Naftali Bennett, der ihn als Premier abgelöst hat. "Bennett hat sich ja mit Biden getroffen", gibt ihm der Kameramann das Stichwort. "Habe ich gehört", sagt Netanjahu. "Und ich habe gehört, dass Biden sehr, wirklich sehr aufmerksam war während des Treffens." Dann lässt er das Kinn zur Brust sinken, als sei er eingenickt.

Der betreffende Ausschnitt aus dem Livevideo.

Damit nimmt Netanjahu eine Falschmeldung auf, die nach dem mit Spannung erwarteten Antrittsbesuch des neuen Premiers Bennett bei US-Präsident Joe Biden im August im Netz kursierte: Ein strategisch geschnittenes Video zeigt die beiden Staatsmänner im Oval Office, Biden lauscht mit gesenktem Kopf und geschlossenen Augen den Worten Bennetts. Bevor er den Kopf hebt und antwortet, bricht das Video ab. Die manipulierte Aufnahme wurde anschließend derart oft geteilt, dass die Nachrichtenagentur Reuters einen Faktencheck dazu veröffentlichte.

"Sleepy Joe" und der unbeholfene Bennett

Der kurze Film scheint zu unterstreichen, was ihre politischen Gegner den beiden Männern vorwerfen: Biden erscheint als "Sleepy Joe", Bennett als unbeholfen – und beide als Regierende, die die Fußstapfen ihrer Vorgänger nicht zu füllen vermögen. Der damalige US-Präsident Donald Trump und Netanjahu hatten während ihrer Amtszeit ein enges Bündnis geschmiedet. So verlegten die USA unter Trump 2018 ihre Botschaft nach Jerusalem und erkannten die Stadt als Hauptstadt Israels an. Im Jahr darauf wurden auch die annektierten Golanhöhen von den USA als Teil des Staates Israel anerkannt.

Im November 2020 verlor Trump dann die Wahl, Netanjahu wurde im folgenden Sommer nach 15 Jahren als Premier von seinem früheren Protegé Bennett abgelöst. Seither ist er Oppositionsführer – mit dem erklärten Ziel, wieder in Regierungsverantwortung zu kommen. (rio, 21.9.2021)