Petitos Leiche wurde in einem Nationalpark entdeckt.

Foto: AP/Potter

Eine verschollene Frau in den USA, die nunmehr tot aufgefunden wurde, ist seit Tagen eines der prominentesten Themen in sozialen Medien. Der Grund: eine Armee an Hobbydetektiven, die unterschiedlichste Theorien und potenzielle Tipps zum Verschwinden Gabby Petitos diskutieren. Und manche Nutzerinnen und Nutzer, die glauben, sie irgendwo entdeckt zu haben. Die Causa zeigt vor allem das große Interesse der Öffentlichkeit an True-Crime-Geschichten – also realen potenziellen Kriminalfällen, bei denen User mitfiebern.

Aber sie offenbart auch, wie derartige Fälle vor allem in sozialen Medien für große Resonanz sorgen. Auf Tiktok, Instagram und anderen Plattformen teilten User vielfach mögliche Tipps zu ihrem Verschwinden, sowie unter anderem auch Falschinformationen. Etwa berichteten Nutzerinnen und Nutzer, sie entdeckt zu haben, was sich nachträglich als unwahr herausstellte.

Roadtrip in sozialen Medien

Die 22-jährige Petito war im Juli gemeinsam mit ihrem Verlobten Brian Laundrie zu einem Roadtrip durch die USA aufgebrochen. Die beiden wollten mit einem Van bis zur amerikanischen Westküste fahren, begonnen hatte die Reise in Long Island in New York. Jedoch war Laundrie am 1. September ohne Petito zurückgekehrt. Zehn Tage später riefen Petitos Eltern die Polizei, am Montag wurde ihre Leiche im Grand Teton National Park in Wyoming gefunden. Mittlerweile geht man von einem Tötungsdelikt aus. Laundrie ist in der Zwischenzeit verschwunden.

Aus einem nationalen Thema – schließlich handelt es sich um eine Geschichte, die sich in verschiedensten Variationen (leider) immer wieder ereignet –, wurde ein Ereignis, über das nunmehr weltweit berichtet wird. Auch hierzulande sorgt der Fall für reges Interesse, so ist er immer wieder in den Suchtrends des Tages bei Google zu finden. Ein Grund dürfte wohl darin liegen, dass Petito und ihr Verlobter ihre Reise mit Videos dokumentierten und in sozialen Medien teilten. Dabei hatte die junge Frau damit vor ihrem Tod zwar einige Menschen erreicht, erst nach ihrem Verschwinden stieg ihre Followerzahl bei Instagram aber in den fünfstelligen Bereich. Eine bekannte Influencerin war sie also noch nicht – allerdings wurden ihre Beiträge nach ihrem Tod vielfach durchforstet, um Hinweise in der Causa zu erhalten.

Bodycam-Video

Für weitere Resonanz sorgte zudem ein Bodycam-Video, das die Polizei der US-Stadt Moab des Bundesstaats Utah im Netz veröffentlichte. Das in anderen Veröffentlichungen sonst glücklich wirkende Paar ist darin in einem anderen Licht zu sehen: So hatten sie gestritten, Petito weint in der Aufnahme und verweist darauf, dass monatelanges gemeinsames Reisen zu Spannungen geführt hätte. Das Video, das insgesamt über eine Stunde dauert, sorgte unter den Hobbydetektiven für weitere Spekulationen.

Womöglich hat das Interesse auch teilweise zur Aufklärung beigetragen: Blogger hatten das Fahrzeug der beiden kurz vor ihrem Verschwinden zufällig aufgenommen und in sozialen Medien geteilt. Es ist nicht auszuschließen, dass das den Ermittlern bei ihrer Suche geholfen hat.

Mittlerweile haben Videos zu dem Thema auf Plattformen wie Tiktok viele Millionen Zuschauer angelockt. Das Interesse habe viele Gründe, sagt die PR-Professorin Kelli Bolin von der Nebraska-Lincoln-Universität zum "Guardian", und nicht alle seien in irgendeiner Form bösartig. Viele würden sich Gerechtigkeit für die junge Frau wünschen. Auch würden Überlebende häuslicher Gewalt derartige Materialien suchen, um ihre eigenen Erfahrungen zu reflektieren.

Kritik

Doch die große Aufmerksamkeit sorgt auch für Kritik: So sehen manche den Grund für die Aufmerksamkeit darin, dass es sich bei Petito um eine junge, weiße, heterosexuelle Frau handelt. Nur kurz nach ihrem Verschwinden war etwa ein gleichgeschlechtliches Paar, das in einem Van gelebt hatte, tot in der Nähe von Moab gefunden worden – das sorgte aber im Vergleich zum Fall Petito kaum für Resonanz. (red, 23.9.2021)