Biden in Washington während der virtuellen 76. Session der UN-Generalversammlung.

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"Wir können es schaffen", sagt Joe Biden, als er am Mittwoch von Washington aus seinen Covid-19-Gipfel eröffnet. Der US-Präsident hat zu der Veranstaltung eingeladen, die parallel zu der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York stattfindet. Mit der Initiative verfolgt er vor allem drei Ziele: Er will schneller mehr Impfstoff in Länder bringen, die bislang kaum Zugang dazu haben, er will ebendort auch den Zugang zu Sauerstoff und anderen teuren Therapeutika erleichtern, und er will die Welt auf die nächste Pandemie vorbereiten. Um mit gutem Beispiel voranzugehen, haben die USA ihre Spendenzusagen in dieser Woche verdoppelt. Unter anderem will Biden bis zum Herbst kommenden Jahres 1,1 Milliarden Impfdosen in Niedriglohnländer schicken. Er sagt stolz, dass das "für jede Impfung in den USA drei gespendete Dosen" seien.

Die Ziele sind ambitioniert: Bis zum September nächsten Jahres sollen 70 Prozent der Weltbevölkerung geimpft sein. Biden fordert andere reiche Ländern auf, den USA zu folgen und ihrerseits zu spenden. Anfang nächsten Jahres soll ein neuer Covid-19-Gipfel die Arbeit evaluieren.

Impfskepsis in den USA

Zu dem erst Anfang des Monats angesetzten virtuellen Gipfel hatte das Weiße Haus sowohl Regierungen als auch internationale Organisationen, Privatunternehmen und Nichtregierungsgruppen eingeladen. Unter anderen nahmen die Präsidenten von Südafrika und Indonesien und die Premierminister von Indien und Großbritannien sowie der Generalsekretär der UN und die EU-Kommissionschefin teil. Über die exakte Teilnehmerzahl und -herkunft hielt sich Washington bis zuletzt bedeckt.

Dieselbe Impfquote, die er jetzt für die Welt anstrebt, hatte Biden auch schon für den Stichtag 4. Juli, den Nationalfeiertag der USA, erreichen wollen. Anders als in den Ländern des Südens haben die USA keine Nachschubprobleme, sondern sehr viel mehr Impfstoff, als sie für ihre eigene Bevölkerung benötigen. Dennoch scheiterte das Biden-Vorhaben in den USA. Dort sind erst 55 Prozent der Bevölkerung komplett geimpft, 64 Prozent haben zumindest eine Impfdosis bekommen. Der Grund für das Scheitern des Vorhabens in den USA ist vor allem die Impfskepsis in weiten Bevölkerungsteilen, die von konservativen politischen Kampagnen geschürt wird.

In den Niedriglohnländern, um die es Biden geht, leben vier Milliarden Menschen. Von ihnen sind bislang erst rund vier Prozent geimpft.

Booster aussetzen

Sprecherinnen und Sprecher aus dem globalen Süden verlangen seit langem, dass die USA und die anderen Herstellerländer von Impfstoffen den Patentschutz aufgeben, damit die Impfstoffe weltweit in der nötigen Menge hergestellt werden können. Von diesem Vorhaben war bei dem Covid-19-Gipfel keine Rede. Stattdessen kündigte Biden an, dass die Impfstoffproduktion in Indien weiter ausgebaut werden soll.

UN-Generalsekretär António Guterres und WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus hatten die USA in den vergangenen Wochen gedrängt, vorübergehend auf die geplanten Auffrischungsimpfungen für die gesamte US-Bevölkerung zu verzichten. Zuerst sollten die Länder des Südens bedacht werden. In ihrem Inneren sollten die USA sich zunächst darauf beschränken, Menschen mit Immunschwäche und sehr alten Personen "Booster"-Impfungen anzubieten. (Dorothea Hahn aus New York, 22.9.2021)