30 Jahre lang eine höhere Miete, am Schluss ist man Eigentümer.

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Im Vorjahr musste Corona-bedingt pausiert werden. Doch heuer konnten die St. Wolfganger Tage der Arge Eigenheim, des Verbands ÖVP-naher Genossenschaftsvertreterinnen und -vertreter, wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden. Und es gab viel zu diskutieren: Schon im Vorfeld hielten die führenden Köpfe der Arge Eigenheim eine Pressekonferenz ab, in der Obmann Christian Struber dazu aufrief, die Wohnbauförderung "neu zu überdenken".

Angesichts einer drohenden massiven Überproduktion am Wohnungsmarkt, vor der etwa die Nationalbank schon länger warnt, sei es nun notwendiger denn je, den Fluss der Fördergelder in andere Bahnen zu lenken. "So könnte die Wohnbauförderung für die Modernisierung von bestehenden Wohnanlagen großzügiger ausfallen, während für Neubauten, die auf Grünland entstehen, eine wesentlich geringere bis gar keine Summe ausbezahlt werden sollte", erläuterte Struber.

Es braucht eine höhere Sanierungsrate

Auf der Tagung selbst wurde das dann laut Sitzungsteilnehmern wieder ein bisschen relativiert: Es sei klar, dass Fördermittel auch weiterhin im Neubau benötigt werden, berichtet Obmannstellvertreter Herwig Pernsteiner. Der Angebotsüberhang sei aber eben auch ein nicht mehr zu leugnendes Faktum.

Ein weiteres Faktum ist, dass die Sanierungsrate in Österreich angehoben werden muss, darauf wies einmal mehr Wohnbauforscher Wolfgang Amann hin, der auf den "Tagen" ebenfalls referierte. Bestehende Barrieren seien aber aufseiten der Bauwirtschaft die geringere Wertschöpfung in der Sanierung im Vergleich mit dem Neubau, ein höheres Risiko bei Sanierungsprojekten, die notwendige höhere Qualifikation der Arbeiter in der Sanierung sowie ein allgemeiner Personal- und Fachkräftemangel.

Für Gebäudeeigentümer seien die Sanierungsanreize oft unzureichend, die Projekte unwirtschaftlich, aktuell kämen noch die stark gestiegenen Baukosten dazu. Bei Letzteren gab es laut Pernsteiner jüngst zwar eine gewisse Entspannung, doch die Baukosten im Wohnhaus- und Siedlungsbau seien nun einmal innerhalb des letzten Jahres laut Statistik Austria um 14 Prozent gestiegen.

Ansparen auf die Wohnung

Das wird unweigerlich die Preise steigen lassen – und damit mittel- bis langfristig auch die Kaufpreise beim nachträglichen Erwerb einer gefördert errichteten Wohnung über die gesetzlich eingeräumte Kaufoption. Diese wurde zwar erst 2019 erleichtert und gilt nun bei neuen Mietverträgen bereits ab fünf Jahren. Vor allem die Kanzlerpartei ÖVP will den Eigentumserwerb aber weiter vereinfachen, und zwar über ein "Ansparmodell", wie es dazu auch im türkis-grünen Regierungsprogramm heißt.

Der Innsbrucker Zivilrechtsprofessor Andreas Vonkilch war dazu schon 2019 vom Wirtschaftsministerium mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt worden und stellte sein Modell auch im selben Jahr in St. Wolfgang vor (DER STANDARD berichtete). Es soll folgendermaßen funktionieren: Mieterinnen und Mieter von Genossenschaftswohnungen sollen über die gesamte Laufzeit der Finanzierung ihres Wohngebäudes (meist 30 oder 35 Jahre) monatlich einen Zuschlag zur Miete in Höhe von knapp zwei Euro pro Quadratmeter Wohnfläche zahlen. Am Ende der Laufzeit gehört ihnen dann die Wohnung ohne jeden Aufpreis.

Wer die Wohnung dann doch nicht kaufen will oder vorzeitig auszieht, bekommt das Geld verzinst zurück. Und es soll auch während der Laufzeit jederzeit möglich sein, in einen "normalen" Mietvertrag zu wechseln, erläuterte Christian Zenz vom Wirtschaftsministerium auf der Tagung den aktuellen Stand der Überlegungen. Die Begeisterung über das Modell soll sich dann in der Diskussion aber in Grenzen gehalten haben. (Martin Putschögl, 27.9.2021)