Vampirfledermäuse hängen nicht nur in Gesellschaft ab, sondern treffen sich auf der Jagd auch bevorzugt mit ihren Freundinnen.
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Die Vampirfledermäuse sind die einzige Säugetiergruppe, die sich ausschließlich von Blut ernährt – wenn man die milchtrinkenden Jungtiere außer Acht lässt. Wer als Opfer infrage kommt und angezapft wird, hängt von der Gattung des Blutsaugers ab: Während sich der Gemeine Vampir bevorzugt Säugetiere wie Kühe und Pferde vorknöpft, beißen der Kammzahnvampir und der Weißflügelvampir lieber bei Vögeln zu. Auch Menschen können bei Gelegenheit auf der Speisekarte stehen, wobei man sich dafür in ihrem Habitat auf den amerikanischen Kontinenten befinden muss.

Um nicht zu verhungern, müssen die kleinen Tiere alle zwei bis drei Tage Blut zu sich nehmen. Dabei kommt ihnen die Kooperation innerhalb der Gruppe zugute: Sie müssen nicht jedes Mal selbst ausfliegen, sondern füttern sich mitunter gegenseitig. Vampirfledermaus-Kolonien können weniger als zehn Mitglieder, aber auch hunderte haben, und sie bestehen vor allem aus weiblichen Tieren und ihrem Nachwuchs; einige Männchen sind auch dabei.

Soziale Jägerinnen

Kooperatives Verhalten findet verstärkt zwischen miteinander verwandten Individuen statt, geht allerdings oftmals darüber hinaus. Die Forscher Simon Ripperger und Gerald Carter fanden beispielsweise vor ein paar Jahren mit ihrem Forschungsteam heraus, dass Weibchenpaare, die eine zeitlang gemeinsam in Gefangenschaft lebten, zurück in der freien Wildbahn oft eng miteinander verbunden blieben und sich mit Futter und Fellpflege umeinander kümmerten.

Die Tiere machen sich nachts auf die Suche nach Blut – ihrem einzigen Nahrungsmittel.
Foto: Brock Fenton / Reuters

Nun nahmen die beiden Biologen in Panama das Jagdverhalten der Blutsauger unter die Lupe, um festzustellen, ob außerhalb der Schlafstätte ähnliche soziale Muster zu beobachten sind. Dafür nutzten sie einmal mehr selbst entwickelte Sonden, die sie an 50 weiblichen Gemeinen Vampirfledermäusen anbrachten. Das sieht ein wenig aus, als trügen die Tiere Rucksäcke. Dabei wurden mehr als 400.000 Einzeltreffen zwischen Individuen registriert, die die Forscher auswerteten.

Blutdurst auf der Kuhweide

Simon Ripperger, der unter anderem am Berliner Museum für Naturkunde forscht, ergänzte diese Daten durch Video- und Audioaufnahmen: Er beobachtete Fledermäuse, wie sie in unterschiedlichen Konstellationen mit ihren Beutetieren – in diesem Fall: Kühe – umgingen. Manche Tiere saßen gemeinsam auf einer Kuh und "teilten" sie sich, manche ließen sich auf verschiedenen Kühen nieder.

Gerald Carter

Auch auf anderer Ebene gestaltet sich die Nähe zu Artgenossen bei der Nahrungsbeschaffung unterschiedlich: Einige Fledermäuse, die sich auf dem gleichen Tier niedergelassen hatten, fügten ihrem Opfer verschiedene Wunden zu. Dabei schlecken sie übrigens zuerst eine geeignete Stelle ab, um sie so zu betäuben. Anschließend rasieren sie hier mit ihren scharfen Zähnen die Haare ab, um dann ein Stück Haut herauszubeißen und das austretende Blut abzulecken und aufzusaugen. Während sich manche Fledermäuse aus dem Weg gingen, stritten sich andere um den Zugang zu einer Wunde.

Eine Gruppe der Gattung "Gemeiner Vampir" (Desmodus rotundus).
Foto: Simon Ripperger

Durch die Analyse der Daten stellten die Forscher fest: Viele Tiere flogen nachts zwar einzeln aus, kamen aber bei der Futtersuche weit vom Schlafplatz – einem hohlen Baum – entfernt wieder zusammen. Individuen, deren Bezugsgruppe "zu Hause" größer war, trafen auch bei der Jagd in größeren Gruppen mit ihren Freundinnen zusammen.

Freundinnen durch dick und dünn

"Wir zeigen, dass sich die sozialen Bindungen von Vampirfledermäusen nicht nur auf die Pflege und das Teilen von Nahrung am Schlafplatz beschränken, sondern dass einander nahestehende Individuen sogar gemeinsam jagen, was die Komplexität ihrer sozialen Beziehungen verdeutlicht", schreiben Ripperger und Carter im Fachmagazin "Plos Biology".

Das wahrscheinlichste Szenario: "roostmates", also Fledermäuse, die eine enge Bindung zueinander haben und sich am Schlafplatz kooperativ verhalten, machen sich voneinander getrennt bei Nacht auf den Weg, kommen bei der Jagd aber wieder zusammen.

Das Verhalten könnte ein Hinweis darauf sein, dass sich eng verbandelte Vampirfledermäuse gezielt miteinander in Verbindung setzen. "Sie finden sich draußen auf der Rinderweide irgendwie zusammen – wir glauben, dass sie sich koordinieren", sagt Carter. Es ist möglich, dass sie Informationen über ihre Beute teilen; dafür sprechen auch Laute, die die Fledermäuse aussenden und die womöglich mit der Futtersuche zusammenhängen.

Dabei registrierten die Forscher drei verschiedene Arten von Lautäußerungen: "Erstens gaben die Vampirfledermäuse Laute von sich, die nur in aggressivem Kontext geäußert wurden. Zweitens gab es Kontaktrufe der Fledermäuse, mit denen die Tiere wahrscheinlich ihre Kooperationspartner finden können", sagt Ripperger. "Wir konnten auch einen neuartigen Ruftyp aufnehmen, der bisher noch nie bei Fledermauspopulationen untersucht wurde und der ausschließlich bei der Jagd vorkommt." Was genau sich die Tiere dabei aber mitteilen, bleibt den Forschern bisher noch ein Rätsel. (sic, 26.9.2021)