Investoren fürchten zunehmend um ihre Evergrande-Investments. Jetzt geht auch der E-Auto-Tochter das Geld aus.

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Es ist ein Stück in vielen Akten. Vergangene Woche hatte der chinesische Immobilienentwickler Evergrande die Zinsen für eine Anleihe bezahlt, damit kehrte kurz Ruhe an die Märkte. Doch schon am Tag darauf wurde die nächste Zinstranche nicht beglichen. Wieder wurden die Sorgen größer. Jetzt ist auch die E-Auto-Tochter des Unternehmens von Liquiditätsengpässen betroffen. Die Lage des weitverzweigten Konzerns spitzt sich damit weiter zu.

Die Regierung in Peking hat am Montag erneut 15,5 Milliarden Dollar in das Bankensystem gepumpt, nachdem sie vergangene Woche bereits dreimal so viel injiziert hatte. Damit soll verhindert werden, dass Ausfälle von Evergrande das Finanzsystem zu stark belasten. Ob Peking den Konzern auffangen oder filetieren wird, ist aber offen. Eine offizielle Aussage dazu gibt es nicht.

Hoffnung auf geordnete Abwicklung

Bei Investoren macht sich jedoch die Hoffnung auf eine geordnete Abwicklung des mit 300 Milliarden Dollar verschuldeten Immobilienkonzerns breit. Analysten gehen immer stärker davon aus, dass die Regierung dem zweitgrößten Immobilienentwickler zu Hilfe eilen wird – auch um das Vertrauen in den Immobiliensektor nicht zu riskieren.

"Die Behörden werden versuchen zu verhindern, dass die Probleme von Evergrande den Hauskäufern, Lieferanten und Auftragnehmern des Unternehmens schaden", sagt Michael Taylor, Analyst bei der Ratingagentur Moody’s. Allerdings dürften die wirtschaftlichen Folgen der Schuldenprobleme von Evergrande nicht unterschätzt werden. Die Krise des Unternehmens könnte Immobilienfirmen den Zugang zu Krediten erschweren, die Qualität von Vermögenswerten bei Banken beeinträchtigen und den Immo-Markt in China insgesamt schwächen, der auch ein wichtiger Motor des Wirtschaftswachstums ist. Ein Verlust des Vertrauens in den Immo-Sektor könne zu einem massiven Rückgang von Grundstückskäufen führen, sagen die Experten des Vermögensverwalters Muzinich & Co.

Folgen sind jetzt schon spürbar. Bei Immobilienunternehmen mit einem B-Rating kam es bereits zu größeren Abverkäufen. Jene mit einem Rating von BB oder BBB konnten sich bisher besser halten. Das zeige laut Warren Hyland, Portfoliomanager bei Muzinich, dass der übrige chinesische High-Yield-Markt stabil zu sein scheint.

Spezielle Depots

Medienberichten zufolge haben mehrere Lokalregierungen in China bereits spezielle Depots für Immobilienprojekte von Evergrande eingerichtet. Damit soll gewährleistet werden, dass die Gelder für Wohnprojekte verwendet werden und nicht für andere Dinge, wie etwa zur Begleichung von Schulden.

Die Hauptlast einer Evergrande-Pleite werden die Banken, Aktionäre und Anleihengläubiger tragen, glaubt das Researchteam von Generali Investments. Eine globale und systemische Krise würde mit einem Zusammenbruch von Evergrande wohl aber nicht ausgelöst werden, heißt es. (Reuters, bpf, 28.9.2021)