Chloe (Maria Köstlinger) und Peter (Herbert Föttinger) bei der Annäherung mit karrieristischen Hintergedanken. "Parisian Woman" erinnert an "House of Cards".

Foto: Moritz Schell

Es war zu erwarten: Auch wenn die Ära Trump vorbei ist, verfolgt der Mann uns weiter. Nicht zuletzt in der Kunst, die sich während seiner Amtszeit ausgiebig an ihm abgearbeitet hat – so etwa Beau Willimon, Showrunner von House of Cards, in seinem Stück The Parisian Woman (2013). Im Mittelpunkt, wenn auch nie physisch anwesend, steht "der Präsident", der nur zum Ende hin beim Namen genannt wird, um ihn herum ranken sich allerlei machtgeile Figuren, und die Fäden zieht eine Frau mit berechnender Sexualität, die auch schon mal in Paris gelebt hat – was sie interessant machen soll.

Am Broadway spielte Uma Thurman die Hauptrolle, die Kritiken waren mäßig, Willimon wurde attestiert, die Chance verpasst zu haben, diese "manierierte Kleinigkeit in ein substanzielles politisches Drama zu verwandeln". Nun, das könnte man auch der deutschsprachigen Erstaufführung in der Regie von Michael Gampe an den Kammerspielen der Josefstadt vorwerfen.

Schon das erste Bild, wenn Michael Dangl als Banker Peter in einem sehr modern, nämlich gar nicht eingerichteten Washingtoner Stadthaus mit zugehörigem Garten hinter Glasschiebetür zu emotionaler Musik ungeduldig herumtigert, zeigt, was die Inszenierung eigentlich sein will: Ein Film. Ein Polit-Thriller nämlich.

Zu vorhersehbar

Peter ist der Geliebte von Chloe (Maria Köstlinger als Vorstadtweib 2.0), der titelgebenden "Pariserin", die wiederum mit Tom verheiratet ist (raubeinig, weil seine Figur von einer ländlichen Rinderfarm stammt: Herbert Föttinger), einem Steueranwalt mit Ambitionen auf höhere Weihen. Genauer: Ein hohes Richteramt. Dafür legt Chloe, die erklärtermaßen keinerlei berufliche oder selbstverwirklichungstechnische Ambitionen hat, sich mit vollem Körpereinsatz ins Zeug. Sie freundet sich nicht nur mit der designierten Notenbank-Chefin an (schön bieder und – als Republikanerin unerlässlich – opportunistisch: Susa Meyer), sondern auch, zum Gähnen vorhersehbar, auf amouröse Weise mit deren Tochter. Die spielt Katharina Klar als glaubhaft emotionalen Polit-Neuling.

Zumeist aber sind die Emotionen in dieser Inszenierung deplatziert und wenig überzeugend, es wird geschrien und einander angegangen. Dieses Vakuum liegt sicherlich in Teilen an der schwachen Vorlage, ist aber nicht zuletzt einer Regie anzulasten, die viel behauptet und wenig einlöst. Man nimmt den Figuren ihre Rollen und Beweggründe nicht ab, die viel beschworene Erotik bleibt hohl, Anziehungskraft zwischen den Figuren sucht man vergebens. Spannung kommt so freilich keine auf. Dazu hätte man den Figuren erst einmal nahe kommen müssen. (Andrea Heinz, 4.10.2021)