Die Übergabe von Jobs zu Cook wurde skeptisch beäugt – wirtschaftlich hat der Wechsel an der Spitze Apple bisher nicht geschadet.

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"Heute wird Apple das Telefon neu erfinden." Mit diesem Satz sorgte Steve Jobs 2007 für ein Erdbeben in der Tech-Welt – und nicht nur dort. Auch heute dreht sich bei Apple noch viel um das iPhone, doch sind es vor allem neue Hardware und Services, die den Konzern noch größer haben werden lassen.

Meilensteine

Technische Meilensteine gab es unter Jobs genug, etwa das iPad, den iPod oder auch grafische Oberflächen bei PCs. Oft wird vergessen, dass meist andere die Grundsteine dafür gelegt haben – Jobs war es aber, der diese Dinge massentauglich machte. Außerdem war es seine besondere Kunst, nicht nur Technik zu verkaufen, sondern auch ein Gefühl.

Eines, dass die Marke bis heute begleitet. Die Angst, der Zauber von Apple würde mit Jobs’ Ableben mitbegraben werden, war deshalb allgegenwärtig, speziell als die Apple-Aktie kurz nach seinem Tod einbrach. Die Skepsis gegenüber dem weniger charismatischen Tim Cook, der von der COO-Position in den Chefsessel wanderte, war groß. Zu Unrecht, wie man heute weiß, waren doch Cook und andere schon seit Jahren in entscheidenden Positionen und mit ausreichend Stimmgewalt ausgerüstet, um den Kurs des Konzerns mitzubestimmen. So wurde Apple in den letzten zehn Jahren noch erfolgreicher als davor – zumindest was die nackten Zahlen betrifft. Der Börsenwert des Unternehmens hat in dieser Zeit um 1000 Prozent zugelegt, der Profit ist von sechs auf knapp 29 Milliarden gewachsen.

Unter Cook verkaufte sich das iPhone viele Jahre besser als in fünf Jahren unter Jobs. So war es der neue CEO, der auf Markttrends hörte und nicht mehr nur ein einziges iPhone veröffentlichte, sondern dem Kunden eine Auswahl bot, die 2020 mit vier neuen Modellen ihren bisherigen Höchstwert erreichte.

Erneut Marktführer

Mit den Airpods und der Apple Watch wurden zudem erneut Marktführer etabliert, die oft kopiert und nur selten erreicht wurden.

Allein die Airpods nehmen laut Marktanalyse von Counterpoint Research mittlerweile rund 35 Prozent des globalen Kopfhörermarktes ein. Ein weiterer Meilenstein des Konzerns in der Post-Jobs-Ära war die Vorstellung des hauseigenen M1-Chips im Jahr 2020. Der Chip sorgte in der Tech-Welt für reges Interesse und wird mit seinen Iterationen in den kommenden Jahren mit Sicherheit weiterhin ein wichtiges Standbein für Apple bleiben.

Während Jobs gerne die Bühne mit einer neuen Hardware betrat, entwickelte sich Apple ganz nebenbei zu einem Konzern, der vor allem in Services seine Zukunft sieht.

Apple Pay, Apple Arcade, Apple Fitness oder Apple TV+ – der Umsatz dieses früher eher bedeutungslosen Zweiges ist von etwa zwei Milliarden im ersten Quartal 2011 auf über 17 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2021 gewachsen. Alleine die Umsätze mit Spielen für Mobilgeräte haben 2019 die Grenze von 8,5 Milliarden Dollar durchbrochen. Das ist mehr, als Nintendo, Microsoft, Activision und Sony zusammen in diesem Zeitraum umsetzen konnten. Auch alle anderen Service-Zweige wuchsen in den letzten Jahren, ohne die geringsten Zeichen der Abnutzung.

iGod

Schwache Präsentationen, wie zuletzt jene des iPhone 13, sind da nur kleine Kratzer am sonst fast fehlerfreien Lack. So steigt der Aktienkurs seit zwei Jahren nahezu kontinuierlich. Vielen Unkenrufen zum Trotz bleibt die Apple-Community ihren Produkten treu, die Marke eine der wertvollsten der Welt.

Für den Erfolg braucht es offenbar den gepriesenen "iGod" Jobs nicht – für die gewisse Magie hinter den Chips und den mit Gorillaglas verstärkten iPhones fehlt er aber.

Die große Fangemeinde von Apple hat Steve Jobs aufgebaut – vom aktuellen CEO, Tim Cook, wird sie mit neuen Services gepflegt. (aam, 5.10.2021)