Machthaber Alexander Lukaschenko geht weiterhin gegen Regierungskritiker vor.

Foto: AP / Sergei Shelega

Minsk – Der autoritäre Machtapparat in Belarus (Weißrussland) hat erneut mehr als 200 Andersdenkende wegen angeblicher regierungskritischer Äußerungen festgenommen. Gegen sie werde wegen negativer Kommentare in sozialen Netzwerken nach einer Razzia des Geheimdienstes KGB ermittelt, sagte Innenminister Iwan Kubrakow am Donnerstag in der Stadt Brest der Staatsagentur Belta zufolge.

Tödliche Hausdurchsuchung als Auslöser

"Sie haben in Telegram-Kanälen alle möglichen bösen Dinge geschrieben in der Hoffnung, dass sie niemand unter ihren Nicknamen findet." Dabei gehe es angeblich auch um Aufrufe zu Protesten, behauptete der Minister.

Hintergrund ist eine Durchsuchung des KGB bei einem IT-Spezialisten in der Hauptstadt Minsk vor mehr als einer Woche. Dabei hatte der Informatiker, der der Opposition zugerechnet wurde, einen Ermittler erschossen. Er selbst wurde ebenfalls getötet.

Unter den Festgenommenen ist ein Journalist des Ablegers der russischen Boulevardzeitung "Komsomolskaja Prawda". Er hatte über den Fall berichtet. Die Zeitung hat als Konsequenz aus den Ermittlungen ihre Redaktion im Nachbarland Belarus geschlossen.

Mehr als 800 politische Gefangene

Die Menschenrechtsgruppe Viasna (Wesna) erkannte unter den Festgenommenen 73 als politische Gefangene an. Die Gesamtzahl der aus politischen Gründen inhaftierten Menschen sei damit auf mehr als 800 gestiegen.

In der früheren Sowjetrepublik war es nach der vor allem im Westen als gefälscht geltenden Präsidentenwahl vom August vergangenen Jahres zu Massenprotesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko gekommen. Seither geht er gegen Andersdenkende und unabhängige Medien vor. (APA, 7.10.2021)