Als eine "Liebeserklärung" an die Stadt wollen die Kolleginnen und Kollegen von "Time Out" das Ranking der coolsten "Neighbourhoods" verstanden wissen. 27.000 Bewohner aus Städten aller Welt wurden dafür nach den besten Orten für Essen, Spaß, Kultur, Nachtleben und Gemeinschaft befragt. Herausgekommen ist eine Rangliste von 49 Stadtvierteln, die sich dabei besonders hervortun. Wir werfen einen genaueren Blick auf die Top Ten.

Nørrebro in Kopenhagen ist laut "Time Out" das coolste Stadtviertel der Welt.
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1. Nørrebro, Kopenhagen

Wie auch immer man "cool" definieren mag, Nørrebro hat es, heißt es bei "Time Out". Dieses vielseitige Viertel an der Nordseite der Kopenhagener Seen sei eine "schillernde Mischung aus historischen Sehenswürdigkeiten, ultramoderner Architektur und gastronomischen Einrichtungen". Selbst in diesem harten Jahr seien neue Bäckereien, Restaurants und Naturweinbars entstanden, die alle den Schwerpunkt auf lokale, saisonale Produkte legen. In diesem Jahr haben sich auch zahlreiche Gemeinschaftsinitiativen entwickelt, berichtet "Time Out": Der autofreie Sonntag hat sein Comeback gefeiert, der Verkehr auf der Nørrebrogade wurde gegen Live-Musik und Flohmärkte ausgetauscht, während die interaktive Kunstausstellung Usynglige Stier ("Unsichtbare Wege") Spaß und Farbe in die am meisten gefährdeten Bereiche des Viertels bringt.

Schwedische Enklave in Chicago: Andersonville.
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2. Andersonville, Chicago

Andersonville, eine schwedische Enklave in Chicago, ist bekannt für sein LGBTQ+-Nachtleben und die Bars und Restaurants, die die Clark Street säumen. Im letzten Jahr habe sich das Viertel erholt, neue Bars und Restaurants hätten eröffnet, während Veranstaltungen wie der Taste of Andersonville beliebte lokale Institutionen in den Vordergrund rückten, berichtet "Time Out". Zudem sei das Viertel schon immer ein begehrter Wohnort gewesen, seine Nähe zu den Stränden und Küstenparks hätten es während der Pandemie nur noch attraktiver gemacht. Lobend erwähnt wird auch, dass Andersonville eine Gemeinde sei, die nach vorne blickt. Initiativen wie Clark Street Composts – ein Pilotprogramm für umweltfreundliche Kompostierung – könnte als Modell für ganz Chicago dienen, meinen die Redakteurinnen und Redakteure des Magazins.

"Herz und Seele" Seouls: Jongno 3-ga.
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3. Jongno 3-ga, Seoul

Historisch, exzentrisch und sehr unprätentiös sei Jongno 3-ga, dem "Herz und der Seele" von Seoul. Man kenne vielleicht die nahe gelegenen Paläste, Galerien und andere Touristenattraktionen, aber den wahren Charme dieses Viertels würden die Großväter, die sich im Tapgol-Park um Baduk-Bretter scharen, die Verkäufer, die auf dem Songhae-gil Toffee verkaufen, die Schmuckgeschäfte für jeden Anlass, die Restaurants, die nordkoreanisches Essen servieren, und die vielen versteckten Cafés und Bierhäuser ausmachen. In Jongno 3-ga befindet sich auch Seouls pulsierendes traditionelles LGBTQ+-Viertel: ein Ort, der im vergangenen Jahr mehr als die meisten anderen Teile der Stadt gelitten hat. Jetzt sei das Leben wieder ins Viertel zurückgekehrt.

Liegt im Norden Edinburghs: das Viertel Leith.
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4. Leith, Edinburgh

Leith war einst der wichtigste Handelshafen Schottlands und ist seit Jahrhunderten mit der Industrie verbunden. Heute ist das Viertel im Norden Edinburghs als kultureller Hotspot bekannt, der sowohl große Kunstinstitutionen als auch aufstrebende Unternehmen beherbergt. In den letzten Jahren wurden mehrere Gebäude zu neuem Leben erweckt, darunter das lange verlassene Leith Theatre und die nahe gelegene Biscuit Factory, die mehr als 30 kreative Unternehmen und einen eigenen Aufführungsraum beherbergt. Das Leith Arches ist ein zweigeschossiger Pub und Veranstaltungsort an der alten Caledonian Leith Line – mit wechselnden Anbietern von Speisen, einem Programm von Wellness-Veranstaltungen und den stets ausgezeichneten Bross Bagels, fasst "Time Out"-Autorin Arusa Qureshi die Vorzüge des Stadtviertels zusammen.

5. Bahnhofsviertel, Vilnius

Während die selbsternannte "Künstlerrepublik" Užupis inzwischen sehr gentrifiziert ist, wohnt die kreative Seele von Vilnius im Bahnhofsviertel. Hier finden man die beste Straßenkunst der Stadt, heißt es bei "Time Out": Wandmalereien, riesige Tony Sopranos und Skulpturen, die an neoklassizistischen Gebäuden angebracht sind. Es gibt auch die Loftas Art Factory, eine sowjetische Fabrik, die in einen weitläufigen, gemeinschaftsorientierten Veranstaltungsort umgewandelt wurde, in dem Konzerte, Modeschauen und Filmvorführungen stattfinden. Die Gegend ist voll von Cafés und einfachen Restaurants mit überwiegend internationaler Küche: Georgisch, Usbekisch und das" beste Sushi der Stadt", wie Michael Pennock von "Time Out" schreibt. Aber: Die einzigartige Mischung aus Bijou und Brutalismus in diesem Viertel wird nicht ewig Bestand haben: Das Architekturbüro Zaha Hadid Architects hat gerade den Wettbewerb für die Renovierung des Bahnhofs gewonnen – mit einem zugegebenermaßen spektakulären neuen Design.

Grünraum in der Großstadt: die High Line in New York.
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6. Chelsea, New York

"In den letzten beiden Jahren haben wir bei der Wahl zum coolsten Viertel New Yorks Stadtteile in den Außenbezirken (Astoria, Bed-Stuy) ausgewählt, aber dieses Jahr ist es wieder Manhattan", lässt uns "Time Out" wissen. Begründung: Wenn es um Grünflächen, Nachhaltigkeit und Gemeindeentwicklung gehe, habe dieser Stadtteil Trends gesetzt, denen alle Städte folgen könnten, vom neuen schwimmenden Park Little Island im Süden bis zur Moynihan Station im Norden. Außerdem: Die High Line und der Hudson River Park hätten 2021 Freiraum für Menschen geboten, die diesen mehr denn je brauchten, während neue Restaurants und Unterhaltungsmöglichkeiten eröffnet wurden, darunter die City Winery am Wasser, das neue Dia und der neu gestaltete Chelsea Flower Market.

Újbuda.

7. XI. Bezirk, Budapest

Bis vor kurzem wären die Besucher in den XI. Bezirk von Budapest (auch Újbuda genannt) nur wegen der Jugendstil-Bäder von Gellért gekommen, heißt es bei "Time Out". Aber mit Covid habe sich das geändert. Viele Einheimische seien auf die grünere Budaer Seite des Flusses gezogen, und deshalb sei das Viertel, das sich vom Gellért-Hügel südwärts entlang der Donau erstreckt, momentan besonders "heiß". Auf dem von Bäumen gesäumten Bartók-Béla-Boulevard gibt es böhmische Cafés, Bars und unabhängige Kunstgalerien. Hier finden man auch "superschicke, umgenutzte Räume wie eine Bar in einem ehemaligen Busdepot, ein ehemaliges Freilichttheater, einen Konzertsaal in einem stillgelegten ukrainischen Schiff sowie den Kopaszi-Stausee mit seinen Sandstränden und Bars am Flussufer", liest man.

Seine Nähe zum Atlantik beeinflusst das Leben im Stadtviertel Ngor in Dakar.
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8. Ngor, Dakar

An der nordwestlichen Spitze von Dakar, Hauptstadt Senegals, bietet Ngor eine Vielzahl von Restaurants und Rooftop-Bars am Wasser, doch das wahre Juwel liegt 400 Meter vor dem Festland, befindet man bei "Time Out". Die malerische Insel Ngor sei ein Labyrinth aus engen, von Bougainvillea gesäumten Straßen, goldenen Sandbuchten, unverwechselbarer Straßenkunst und einzigartiger Architektur. Gemeinde und Unternehmen auf beiden Seiten der Bucht organisieren regelmäßige Strandsäuberungen, um die Schönheit von Ngor auch für die nächste Generation zu erhalten.

Sai Kung: der "Garten von Hongkong".
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9. Sai Kung, Hongkong

Mit seinen idyllischen Stränden, malerischen Wanderwegen und gut erhaltenen Landschaftsparks ist es kein Wunder, dass Sai Kung so oft als der "Garten von Hongkong" bezeichnet wird. "Die Nähe zur Natur ist natürlich großartig, aber auch die Einheimischen lieben die Gegend, da sie weit weniger bevölkert ist als die zentralen Stadtteile Hongkongs", ist bei "Time Out" zu lesen. Und weiter: Mehr als in vielen anderen Teilen der Stadt habe sich hier auch ein starkes Engagement für Nachhaltigkeit gezeigt, mit einer Fülle von Bio-Bauernhöfen, Naturkostläden und Zero-Waste-Läden. Darüber hinaus gebe es Umweltgruppen wie Friends of Sai Kung (FSK), die regelmäßig Strandsäuberungen, monatliche Recycling-Veranstaltungen und Seminare zur Erhaltung der Landschaft von Sai Kung durchführen.

Richmond.

10. Richmond, Melbourne

Dieses Gebiet entlang des Birrarung (Yarra River) gilt schon lange als ein Treffpunkt für die Mitglieder der Kulin Nation, einer Allianz aus fünf Aborigine-Stämmen im zentralen Victoria. Es gebe hier drei verschiedene "Vibes", lässt uns Cassidy Knowlton von "Time Out Australia" wissen: Die Victoria Street als Melbournes erste Adresse für vietnamesisches Essen, die Bridge Road ist bekannt für ihre Mode- und Möbelfabriken und die Swan Street beherbergt einige der besten Restaurants und Cafés des Stadtteils. Richmond beherberge zudem eine der beliebtesten Live-Musik-Institutionen Melbournes, das Corner Hotel. Weiters sei Richmond auch ein sehr gemeinschaftsorientierter Vorort, in dem das Richmond Churches Food Centre seit 30 Jahren dringend benötigte Lebensmittel an Bedürftige verteilt – auch während der Zeit, in der Melbourne abgeriegelt war. Der Stadtrat von Yarra, zu dem Richmond gehört, sei eine der ersten Kommunalverwaltungen der Welt gewesen, die den Klimanotstand ausrief, und habe sich zu einem ehrgeizigen Plan verpflichtet, um den Vorort wirklich grüner zu machen. (red, 11.10.2021)

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