Neben der Inflation und staatlichen Infrastrukturprogrammen sollte auch die Energie- und Mobilitätswende gewisse Rohstoffe unterstützen.

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Beim Thema Rohstoffe blicken die meisten Leute auf Rohöl, bei dem deutliche Preisanstiege wie zuletzt rasch auch auf die Haushaltskosten durchschlagen. Aber nicht nur das schwarze Gold hat heuer enorme Preissprünge erfahren, auch andere Rohstoffe wie die Industriemetalle Stahl und Aluminium oder Bauholz wurden empfindlich teurer. Lag die US-Investmentbank Morgan Stanley etwa richtig, als sie bereits zu Jahresbeginn den Beginn eines Superzyklus bei Rohstoffen, also eine längere Phase steigender Preise, vermutete?

Zuvor hatte eine jahrelange Flaute für geringe Investitionen und Kapazitäten gesorgt. Diese können nun den enormen Hunger nach Commodities, wie Rohöl und Co auch genannt werden, im Zuge der Erholung nach der Corona-Pandemie kaum stillen. Sollten Anleger wieder einen Blick auf den Rohstoffsektor werfen? Über ETFs oder andere Fondslösungen sind schließlich Rohstoffe auch für Privatanleger investierbar.

Drei treibende Faktoren

Aus Sicht des New Yorker Investmenthauses Wisdom Tree handelt es sich bei Rohstoffen derzeit um einen aussichtsreichen Sektor. Drei Faktoren sollten die Preise demnach auch im kommenden Jahr unterstützen: ein höheres Inflationsniveau als in den vergangenen Jahrzehnten, ein struktureller Anstieg der Rohstoffnachfrage wegen eines Infrastrukturbooms sowie der Umbau der Wirtschaft im Zuge des Klimawandels.

"Anleger, die sich gegen eine höhere, zumal unerwartete Inflation absichern wollen, sollten sich mit dem Rohstoffbereich vertraut machen", sagt Nitesh Shah, Rohstoffstratege bei Wisdom Tree. Auch eine Straffung der Geldpolitik würde die Angebotsengpässe bei Commodities kaum beseitigen, welche die Preise derzeit in die Höhe treiben. Anleger und Verbraucher sollten sich wohl mit höherer Teuerung arrangieren, wobei Rohstoffe eine natürliche Absicherung gegen steigende Verbraucherpreise darstellen würden.

Zudem sollte auch das Infrastrukturpaket wie jenes von US-Präsident Joe Biden, nach derzeitigem Stand etwa eine Billion Dollar schwer, die Rohstoffnachfrage in den USA beleben. "Infrastrukturvorhaben sind rohstoffintensiv und werden in der Regel über lange Zeiträume realisiert", erwartet Shah einen langfristigen Einfluss auf die Preisentwicklung bestimmter Rohstoffe.

·Stahl und Aluminium

"Alles, was in Richtung Infrastruktur und Bau geht, hat natürlich eine stimulierende Wirkung auf die Nachfrage", sagt Markus Remis von Raiffeisen Research über Stahl und Aluminium, bei denen es heuer deutliche Preisschübe gegeben hat. Schließlich werde etwa die Hälfte des Stahls global vom Bausektor verbraucht. "Die enorme Entwicklung der Nachfrage war eine große Überraschung und hat die Preise explodieren lassen", sagt Remis. Er glaubt jedoch, dass die Kosten kurzfristig den Plafond erreicht haben, darauf würden auch Gespräche mit den Unternehmen aus dem Bereich hindeuten.

·Rohöl

Nachdem der Preis für Rohöl auf den höchsten Stand seit drei Jahren geklettert ist, erwartet Florian Ielpo, Fondsmanager bei Lombard Odier, kurzfristig keine weiteren Anstiege. Denn insbesondere die Produktion aus US-Schieferöl lässt sich kurzfristig wieder hochfahren, wofür es derzeit Anzeichen gebe. "Die Ölpreise sind hoch, aber da das Angebot in den kommenden Wochen wahrscheinlich steigen wird, ist eine Stabilisierung des Ölpreises wahrscheinlicher", fasst Ielpo seine kurzfristige Erwartung zusammen.

·Silber und Platin

Langfristig steht allerdings die Energiewende, also die Abkehr von fossilen Brennstoffen, an. Auch der Trend zur Elektrifizierung des Straßenverkehrs wird auf Commodities große Auswirkungen haben. "An den Rohstoffmärkten dürften davon vor allem Basismetalle wie Kupfer, Nickel, Aluminium und Zinn profitieren", sagt Wisdom-Tree-Experte Shah. Ebenso sollte die Nachfrage nach Silber und Platin durch die Mobilitätswende erhöht werden, da beide Metalle in Solarmodulen oder in der Wasserstoffwirtschaft eingesetzt werden. "Es ist klar, dass bestimmte Rohstoffe im Zuge der Energiewende vermehrt benötigt werden", erklärt Shah. Unsicher sei hingegen, ob diese auch in ausreichender Menge bereitgestellt werden könnten.

·Palladium

Umgekehrt ist die Ausgangslage bei Palladium, das in Katalysatoren für Verbrennungsmotoren eingesetzt wird. Die zunehmende Verbreitung von Elektroautos sollte zu geringerer Nachfrage führen. Kurzfristig erwartet Benjamin Louvet, Fondsmanager bei OFI Asset Management, dennoch Preissteigerungen, da das Angebot von Palladium im zehnten Jahr in Folge geringer als die Nachfrage sei. "Deshalb sehen wir in den aktuellen Preisen eine hervorragende Kaufgelegenheit für Anleger", sagt Louvet mit Blick auf die nächsten vier Jahre.

Unter dem Strich geht Shah von Wisdom Tree davon aus, dass Rohstoffe seit dem Vorjahr in einen Aufwärtszyklus eingetreten sind: "Selbst bei im Zuge des Übergangs zum nächsten Konjunkturzyklus nachlassenden Inflationsimpulsen dürften der Infrastrukturboom und die Energiewende viele Rohstoffe voraussichtlich noch über Jahre hinweg profitieren lassen." (Alexander Hahn, 7.10.2021)