Die Forscher geben dem Scherzbegriff "WLAN-Kabel" eine unerwartet reale Bedeutung.

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Wer mit besonders heiklen Daten hantiert, sollte diese nur auf Rechnern speichern, auf die man nicht einfach zugreifen kann. Und der sicherste Schutz gegen digitale Angriffe ist es freilich, die besagten Systeme gar nicht erst "von außen" zugänglich zu machen. "Air-Gap" nennt man es auch, wenn ein Computer oder Netzwerk nicht mit dem Internet oder anderen internen Netzwerken verbunden ist.

Doch selbst diese "Luftlücke" schützt nicht vor allen Angriffen, wie Forscher der israelischen Ben-Gurion-Universität immer wieder beweisen. Sie haben sich darauf spezialisiert, sich immer wieder neue Angriffsmöglichkeiten für ebenjene schwer zugänglichen Systeme auszudenken. Dabei nutzten sie unter anderem schon Festplattengeräusche, Kopfhörer oder Kabel von Monitoren. Ihr neuester Trick: Malware, die Netzwerkkabel zur Antenne umfunktioniert – "LANtenna" (PDF).

Spezialangriff für Spezialziele

Hier muss vorausgeschickt werden, dass ein solcher Angriff sehr spezielle Voraussetzungen mitbringt. Es muss ein Netzwerk hinter einem Air-Gap liegen und gelingen, die Schadsoftware auf wenigstens einem Gerät unterzubringen. Nützlich ist diese Angriffsmethode dann vor allem dafür, Daten unbemerkt drahtlos abzugreifen. Anders gesagt: Praktische Relevanz hat sie für das gezielte Abhören von wertvollen Zielen, für die sich der Rechnung des Angreifers nach Risiko und Aufwand lohnen.

Die Malware benötigt keine speziellen Rechte und generiert Netzwerk-Traffic, der durch seine Ausgestaltung beim Transport über ein Netzwerkkabel elektromagnetische Felder erzeugt, die sich mit einer Antenne und Funkgerät oder der Software Defined Radio empfangen lassen. Im weitesten Sinne haben die Forscher damit also dem Scherzbegriff "WLAN-Kabel" eine unerwartet reale Bedeutung gegeben.

Frequenz und mögliche Reichweite hängen von der Beschaffenheit und Länge des Kabels ab. Bislang konnte aber nicht über mehr als wenige Meter "gefunkt" werden. (gpi, 12.10.2021)