William Shatner flog mit einer Rakete des Weltraumunternehmens Blue Origin ins All.
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Es war nicht nur eine technische Leistung, sondern auch ein Marketingspektakel, als eine weitere Rakete des Weltraumunternehmens Blue Origin ins All startete. Denn mit an Bord war William Shatner, bekannt vor allem durch seine Rolle in Raumschiff Enterprise. Das Abenteuer wurde live übertragen, vorab aufgezeichnete Clips machten Stimmung für den Flug, Firmenchef Jeff Bezos gratulierte zum bestandenen Abenteuer. Gutes Entertainment also.

Doch entwickelt sich das Weltraumgeschäft in die richtige Richtung? Geht es noch um den technischen Fortschritt, um die Vision eines Lebens im All? Oder will man bloß zahlungsfähige Kunden gewinnen, indem man willige Prominente als Marketingvehikel missbraucht? Wird Elon Musk nachziehen und beim nächsten Space-X-Flug Star Wars-Darsteller Mark Hamill einladen? Das wäre passender, zumal Star Trek im Gegensatz zu Star Wars die utopische Vision einer Menschheit porträtiert, die Kriege, Armut und Gier überwunden hat. Und das steht im Gegensatz zu Bezos’ Unternehmen, in denen eine toxische Arbeitskultur gepflegt wird, Mitarbeiter ausgebeutet und Konkurrenten ausgebootet werden.

Die richtige Reihenfolge auf der Checkliste des Milliardärs wäre also: zuerst im eigenen Unternehmen aufräumen, dann nach den Sternen greifen – und sich dann erst im eigenen Ruhm sonnen. Aber das zu erwarten wäre wohl illusorisch. (Stefan Mey, 14.10.2021)