7000 Alitalia-Beschäftigte sind bei der neuen Italia Trasporto Aereo nicht an Bord. Trotzdem sind nicht alle gegen den neuen Carrier.

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Wien/Rom – Kaum gestartet, fahndet der neue italienische "national carrier" intensiv nach Partnern. Das hat Italia Trasporto Aereo (ITA) mit ihrer vorige Woche stillgelegten Vorgängerin Alitalia gemeinsam. ITA Airways ging mit 24 Inlands- und 56 Auslandsflügen in die Luft. Die Flotte besteht aus 52 Maschinen, deren Zahl bis 2025 auf 105 steigen soll. Bis 2025 soll das Personal wieder auf 5700 Beschäftigte anwachsen. Die seit bald zwei Jahrzehnten defizitäre Alitalia hatte zuletzt 10.500 Personen beschäftigt.

Die Zukunft der neuen Fluggesellschaft darf als ungewiss bezeichnet werden. Nicht nur, weil sie in der wohl schwierigsten Zeit der jüngeren Geschichte der zivilen Luftfahrt abhebt. Die Branche kommt nach dem durch die Corona-Pandemie erzwungenen Stillstand nur langsam in die Gänge, und zugleich gehen die Energiekosten durch die Decke. Den Start ausgerechnet in die Wintersaison halten Branchenkenner ebenfalls für wenig vorteilhaft.

Mehrheitlich im Staatsbesitz

Die Probleme von ITA sind jenen der Alitalia insgesamt nicht unähnlich. Auch ITA ist mehrheitlich in Staatsbesitz, laut EU-Kommission allerdings nicht ihr "wirtschaftlicher Nachfolger". Brüssel verlangt, dass ITA mit der Vergangenheit der kriselnden Alitalia bricht. Dabei hat ITA die Marke Alitalia gerade für 90 Millionen Euro übernommen – nicht annähernd jene 290 Millionen, die die Auktion der Marke einspielen sollte.

Wettbewerbsverzerrung?

Das von den EU-Wettbewerbshütern rund um Kommissarin Margrethe Vestager noch erlaubt wurde: Rom durfte die neue Gesellschaft mit 1,35 Milliarden Euro ausstatten. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass weitere 1,6 Milliarden Euro dazukommen werden. Mit Kreditlinien in dieser Höhe hat ITA bei Airbus und der Leasinggesellschaft Air Lease 59 Flugzeuge im Wert von 1,5 Milliarden bestellt.

Mehr Hoffnung als Gewissheit dürfte ITA-Chef Fabio Lazzerini (links) und seinen Verwaltungsratspräsidenten Alfredo Altavilla antreiben. Der Rumpf der Flugzeuge ist blau wie der Himmel, aber die Heckflosse grün-weiß-rot wie jene des Dauerverlustbringers Alitalia.
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Die Übernahme des Großteils der Start- und Landerechte der Alitalia wiederum dürfte wohl vor Gericht landen, denn einige Konkurrenten prüfen Klagen, weil sie Wettbewerbsverzerrung orten.

Zweckoptimismus à la Italia

Vor diesem Hintergrund scheinen die Ankündigungen des ITA-Managements zweckoptimistisch: "Das ist ein Name, der in die Zukunft blickt, jedoch auch an der Vergangenheit festhält. Wir haben Alitalias Farben im Logo bewahrt", beschwört der Chef der Airline, Fabio Lazzerini, den Nationalstolz – so als wollte er den Unmut tausender Alitalia-Beschäftigter besänftigen, die in der neuen Airline keinen Arbeitsplatz mehr haben.

Als Billigairline sieht Lazzerini die neue ITA nicht, konkurrieren muss sie aber genau mit diesen – und das ohne Partnernetzwerk.Ob da das Mäntelchen Umweltschutz in diesem rauen Klima hilft? ITA will mit ihren neuen Fliegern bis 2025 die umweltfreundlichste Nichtbilligfluglinie Europas werden. Der Zweckoptimismus ist in den Worten von ITA-Verwaltungsratspräsident Alfredo Altavilla unüberhörbar. (ung, dpa, Reuters)