Mittlerweile zählt Österreich bereits 21 ermordete Frauen im Jahr 2021.

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Allein durch Opferschutzarbeit lässt sich Gewalt an Frauen nicht verhindern: Darüber herrschte nach den Femiziden im Frühjahr – mittlerweile wurden im Jahr 2021 21 Frauen getötet – Konsens. Zu diesem Zeitpunkt war die Hotline "Männerinfo" für Burschen und Männer in Krisensituationen nur zwei Stunden am Tag erreichbar, wie ein Männerberater im Mai dem STANDARD erzählte. "Wir müssen auch bei Männern ansetzen, bevor es zu Gewalt an Frauen kommt", sagte Sozialminister Wolfgang Mückstein (Grüne), der nun am Montag mit dem Verein für Männer- und Geschlechterthemen einen weiteren Teil des Maßnahmenpakets gegen Gewalt an Frauen vorstellte. Die Hotline "Männerinfo" ist nun rund um die Uhr erreichbar.

Erste Anlaufstelle für Männer

"Wenn Frustration in Aggression umschlägt, gilt es, Männern und Burschen einen Ausweg aufzuzeigen, der nicht in Gewalt mündet", sagt Mückstein. Für das Projekt "Männerinfo" wurden deshalb 365.000 Euro pro Jahr bereitgestellt, das "kostenlose, professionelle und niederschwellige" Unterstützung in Krisensituationen anbieten soll. Die Hotline dient als erste Anlaufstelle. "Wir vernetzen Beratungsstellen aus ganz Österreich und vermitteln dann an Notschlafstellen, Suchtberatungen oder Anti-Gewalt-Trainings weiter", ergänzt Christian Scambor von der Männerberatung Graz.

Bei den Beratungsgesprächen der "Männerinfo" spielen auch sprachliche Barrieren eine Rolle: "Wenn jemand eine Beratung in einer anderen Sprache braucht, dann schalten wir kurzfristig Dolmetscher dazu", sagt Alexander Haydn von der Männerberatung Wien. Sollte eine Sprache nicht ad hoc verfügbar sein, vereinbare man sofort einen Termin. Ein Team von 20 Mitarbeitern steht nun hilfesuchenden Anrufern österreichweit zur Verfügung.

Insgesamt vier Millionen fließen vom Sozialministerium in Projekte der Gewaltprävention bei Männern – das im Frühjahr vorgestellte "Gewaltschutzpaket" umfasst 24,6 Millionen. Es sei richtig, dass hier der Fokus auf den Opferschutz gelegt werde. Um aber Stereotypen bei Burschen und Gewalt bei Männern entgegenzuwirken, müsse man auch bei ihnen ansetzen. Aus diesem Grund sollen in diesem Jahr noch mehr Maßnahmen folgen, kündigt Mückstein an und verweist auf den Ausbau der Burschenarbeit. Dass es den Handlungsbedarf überhaupt gibt, untermauern die Zahlen: Laut europäischer Hochrechnung ist mindestens eine von fünf Frauen von häuslicher Gewalt bedroht.

Vernetztes Arbeiten mit Frauenhäusern

Wie wichtig das Männerangebot auch für die Opferschutzarbeit ist, unterstreicht Michaela Gosch von den Frauenhäusern Steiermark. "Wenn Frauen zu uns kommen, melden sich auch oft die Täter bei uns", erklärt Gosch; es sei wichtig, dass diese nun eine eigene Anlaufstelle haben. Die Angebote für Männer – aber auch für Burschen– bezeichnet sie als "wesentliche Säule" bei der Gewaltschutzarbeit. Denn oft werde Gewalt auch sozial vererbt. "Kinder laufen da besonders Gefahr, als Opfer später selbst Täter zu werden", sagt Gosch. Bestimmte Grenzen bei der Weitervermittlung von Hilfsangeboten seien indes schon im Probelauf der Männerinfo-Hotline aufgefallen: "Es gibt zu wenige Kassenstellen für Psychotherapien, da sollte dringend nachgebessert werden." (Elisa Tomaselli, 18.10.2021)