Die Delegation der Taliban umfasste zehn Personen, darunter der Vize-Premier Abdul Salam Hanafi (Mitte).

Foto: ALEXANDER ZEMLIANICHENKO

Die Teilnehmer einer Afghanistan-Konferenz in Moskau haben die militant-islamistischen Taliban zur Gewährleistung eines dauerhaften Frieden aufgerufen. Auch die Rechte der verschiedenen ethnischen Gruppen sowie die von Frauen und Kindern in dem krisengeschüttelten Land am Hindukusch müssten gewahrt werden, heißt es in einer abschließenden Erklärung, die das russische Außenministerium am Mittwochabend veröffentlichte.

Große Sorge äußerten die Teilnehmer, zu denen auch die Taliban selbst zählten, über die katastrophale wirtschaftliche und humanitäre Lage in Afghanistan.

Konferenz mit zehn Ländern

Russlands Außenminister Sergej Lawrow mahnte zu Beginn neuer Gespräche über die Lage in Afghanistan mehr Anstrengungen für einen dauerhaften Frieden in dem Land. Diese Aufgabe sei nach wie vor dringend, sagte er am Mittwoch. Zugleich rief er bei dem Treffen in Moskau die Taliban auf, die Grundrechte aller afghanischen Einwohner zu gewährleisten.

An den Gesprächen nahmen russischen Angaben zufolge Vertreter von zehn Ländern teil. Darunter sind Afghanistans Nachbarstaaten China, der Iran und Pakistan. Die Delegation der Taliban umfasste zehn Personen, Vizepremier Abdul Salam Hanafi führte die Gruppe nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Bakhtar an.

Taliban fordern humanitäre Hilfe

Der amtierende Außenminister der Taliban Amir Khan Mutaki sagte in Moskau zu Journalisten, man fordere die internationale Gemeinschaft dazu auf, in dieser sensiblen Zeit zur Stabilität Afghanistans beizutragen, humanitäre Hilfe zu leisten und Vermögenswerte des Landes freizugeben. Mit der Machtübernahme der Taliban wurden rund neun Milliarden US-Dollar (7,72 Milliarden Euro) an Reserven der Zentralbank des Landes, die großteils in den USA geparkt sind, eingefroren.

Die Taliban-Delegation pocht auf die Freigabe der Vermögenswerte, um die humanitäre und wirtschaftliche Krise in Afghanistan einzudämmen.
Foto: Handout

Die Taliban hatten nach dem Abzug der internationalen Nato-Truppen weite Teile des Landes erobert. Am 15. August zogen sie kampflos in die Hauptstadt Kabul ein und regieren seitdem. Ihre Regierung, die ausschließlich aus Männern besteht, sieht sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Es zeichnet sich eine schwere humanitäre Krise ab, die UN sehen die Wirtschaft kurz vor dem Kollaps. Eine Dürre in dem Land und der anstehende Winter mit steigenden Preisen verschärfen die Situation weiter.

Die UN sehen eine starke Fluchtbewegung innerhalb Afghanistans und möglicherweise auch über die Grenzen hinaus, wenn nicht Geld zur Versorgung der Menschen bereitgestellt werde.

Sorge vor terroristischem Nährboden

Russland sieht zudem mit Sorge, dass sich die Sicherheitslage bei seinen Verbündeten in Zentralasien verschlechtern könnte. Länder wie Tadschikistan grenzen direkt an Afghanistan. Moskau warnt vor Terroristen, die aus Afghanistan in ehemals sowjetisches Gebiet eindringen könnten, sowie vor zunehmendem Drogenschmuggel.

Moskau richtete immer wieder Afghanistan-Konferenzen in verschiedenen Formaten aus. Dabei waren auch in der Vergangenheit Vertreter der Taliban anwesend. Auch andere Länder führen mit ihnen Gespräche, darunter die USA, die ihre Teilnahme diesmal abgesagt haben. In der kommenden Woche will der Iran eine Afghanistan-Konferenz ausrichten. In Russland sind die Taliban als terroristische Organisation verboten. (APA, red, 20.10.2021)