Chappelle sagt in seinem Beitrag unter anderem, dass er "Team TERF" sei.

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Seit mehreren Wochen sieht sich Netflix mit einem Shitstorm wegen transfeindlicher Aussagen des Komikers Dave Chappelle im Rahmen eines Comedy-Specials – und des Umgangs des Unternehmens mit der darauffolgenden Kritik – konfrontiert. Intern soll die Veröffentlichung damit verteidigt worden sein, dass Inhalte "auf dem Bildschirm nicht direkt zu Schäden in der realen Welt" führen würden. Kritische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden kurzzeitig sogar suspendiert.

Vor dem Netflix-Sitz in Los Angeles versammelten sich am Mittwoch deshalb Dutzende von ihnen für Proteste. "Wir wollen für zusätzliche Klarheit darüber sorgen, warum die Witze schädlich sind", sagte die Protestorganisatorin Ashlee Marie Preston. Es gehe auch nicht nur um Chappelle, sondern grundsätzlich um die Frage, wie Unternehmen aus "Spannungen" Profite ziehen, berichtet der "Spiegel".

"Team TERF"

In Chappelles Beitrag, der den Titel "The Closer" trägt, macht sich der Comedian mehrfach über Transpersonen lustig. Unter anderem sei es laut ihm Fake, eine Transperson zu sein. Sich selbst bezeichnet er als "Team TERF", also als "Trans-Exclusionary Radical Feminist". Anhänger dieser Bewegung exkludieren Transpersonen in ihrem Einsatz für mehr Gleichstellung zwischen Frauen und Männern. Für TERFs sind Transfrauen keine echten Frauen, da das Frausein laut ihnen durch das biologische Geschlecht bestimmt werde.

Der Comedian stellt sich in seinem Beitrag außerdem auf die Seite der Autorin J.K. Rowling, die selbst für transfeindliche Aussagen in der Kritik steht, und macht sich über die Genitalien von Transpersonen lustig. Transfrauen vergleicht er unterdessen mit Personen, die "Blackfacing" betreiben – also eigentlich weiß sind, aber sich schwarz anmalen.

Umgang "vermasselt"

Inzwischen scheint auch Ted Sarandos, Co-CEO und Inhaltschef von Netflix, einzulenken. Kurz vor den Protesten sagte er gegenüber mehreren Medien, dass er den Umgang mit Arbeitskräften, die sich über die Produktion ärgern, "vermasselt" habe. Stattdessen hätte er "mit mehr Menschlichkeit führen sollen". (red, 21.10.2021)