Nach einem mehrmonatigen Rücksetzer hat die Kryptowährung Bitcoin wieder zu alter Stärke gefunden und einen Kursrekord erzielt.

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Wie viel ist die Kryptowährung Bitcoin wert? Darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Für Anleger glichen die vergangenen Tage einem Ritt auf der Hochschaubahn. Nachdem in der Vorwoche ein neuer Rekordwert von etwa 66.000 US-Dollar erzielt wurde, sehen andere in dem anschließenden kurzfristigen Kurskollaps an einer Handelsplattform einen Schuss vor den Bug unbedarfter Bitcoin-Anleger. Nun haben sich die Wogen wieder gelegt. Was waren die Ursachen für die Kurskapriolen der ältesten und bedeutendsten Kryptowährung?

Zunächst sorgte der Handelsstart des ersten Bitcoin-ETF, also eines börsennotierten Fonds, für Rückenwind. Allerdings investiert dieser ETF nicht direkt in Bitcoin, sondern in Futures, mit denen ebenfalls auf die Kursentwicklung der Kryptowährung gesetzt werden kann. Anders wäre wohl auch kein grünes Licht von der US-Börsenaufsicht zu erhalten gewesen – denn die Futures werden auf einem regulierten Finanzmarkt gehandelt, was auf Bitcoin selbst nicht zutrifft. Allerdings drängen sich angesichts des anfänglichen Runs auf den Bitcoin-ETF schmerzhafte Erinnerungen an den Dezember 2017 auf.

Droht Absturz wie 2017?

Damals erfolgte der Marktstart der Bitcoin-Futures, der als Meilenstein für die Entwicklung der Kryptowährung gesehen wurde: Zusätzlich zur bisher dominierenden Nachfrage von Privaten sollte Bitcoin dadurch auch für institutionelle Profianleger attraktiver werden. Allein, es folgte ein Absturz von dem damaligen Rekordwert von knapp 20.000 auf weniger als 4000 Dollar – also um etwa 80 Prozent. Droht nach der Einführung des ersten Bitcoin- ETF nun eine vergleichbare Entwicklung?

Nicht, wenn es nach Craig Erlam geht. Der leitende Marktanalyst des US-Brokers Oanda sieht in der ETF-Einführung "einen bahnbrechenden Moment für den Kryptowährungsraum". In solchen Situationen könne es zu einem Kaufrausch kommen, bevor wie 2017 Gewinnmitnahmen einsetzen. Diesmal seien diese weitgehend ausgeblieben, dennoch rechnet Erlam kurzfristig mit kräftigeren Kursausschlägen. "Aber es ist schwer vorstellbar, dass in den kommenden Monaten keine weiteren Gewinne folgen werden", fügt er hinzu.

Kurzfristiger Kurskollaps

Knapp nach dem Rekordhoch erfolgte bei der US-Version der Kryptobörse Binance binnen einer Minute ein Kurssturz auf etwa 8200 Dollar, von dem sich Bitcoin fast ebenso schnell wieder erholte. Ursache war der Handelsplattform zufolge ein fehlerhafter Algorithmus, der zu automatischen Bitcoinverkäufen geführt habe.

Einen vergleichbaren Flashcrash gab es auch im Mai 2010 an der New Yorker Börse, als der Dow-Jones-Index ohne ersichtlichen Grund binnen weniger Minuten um neun Prozent eingebrochen war, um sich fast ebenso schnell wieder davon zu erholen. Auslöser des Kurssturzes waren ebenfalls automatische Handelsprogramme, zudem wurde Jahre später auch ein britischer Trader wegen Marktmanipulation verurteilt. Für den Dow Jones hatte der Flashcrash keine negativen Folgen, der Index legte bis Jahresende zu.

Gut für Risikostreuung

Bei Bitcoin wird die Kursentwicklung inzwischen weitgehend von institutionellen Investoren getragen, bei denen Kryptowährungen während der jüngsten Delle der Aktienmärkte punkten konnten. Bitcoin und Co korrelieren nicht mit anderen Anlagen, entwickeln sich also unabhängig von Aktien oder Anleihen – ein Vorteil bei der Risikostreuung.

Dies überzeugt längst nicht alle Profis wie etwa den Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz: Für Portfoliomanager Andreas Fitzner sorgen Krypto-Assets weder als Währung für Wertzuwächse noch als technologische Anwendung für verlässliche Gewinne. Warum trotzdem Anleger in Bitcoin investiert sind? Fitzners knappe Antwort: "Spekulation." (Alexander Hahn, 29.10.2021)