Anfang nächster Woche sollen vier Astronauten mit dem Crew Dragon an der ISS andocken. Zur Crew zählt auch der Deutsche Matthias Maurer.

Foto: AP/Nasa

In wenigen Tagen soll das US-Unternehmen Space X von Tesla-Gründer Elon Musk zum dritten Mal eine reguläre Astronautencrew zur Internationalen Raumstation befördern. Der seit dem Vorjahr im Einsatz befindliche Crew Dragon spielt in Sachen Design und Technik alle Stückln – vor recht profanen Problemen der Raumfahrt ist aber auch dieses moderne Raumschiff nicht gefeit: Es gibt Schwierigkeiten mit der Bordtoilette. Diese sollen rechtzeitig vor dem Start am 31. Oktober behoben werden.

Dass am nicht immer ganz so stillen Örtchen der Raumkapsel etwas suboptimal läuft, wurde Mitte September registriert, als vier Laienraumfahrer im Zuge der Inspiration-4-Mission die Erde fast drei Tage lang im Crew Dragon umrundeten. Bei diesem bis dahin längsten Passagierflug des Raumschiffs war es zu einem Problem im Sanitärbereich gekommen, Details wollte Space X aber zunächst nicht preisgeben und verwies auf laufende Untersuchungen.

Gelöster Schlauch

Inzwischen steht fest, was während des Dreitageflugs passierte: Ein Schlauch, der mit einem Abwassertank verbunden war, hatte sich gelöst, was eine vermutlich ungefährliche, dafür aber etwas ungustiöse Folge mit sich brachte. Bei der Benutzung der Toilette gelangte Urin statt in den dafür vorgesehenen Tank nach außen. Wie der Space-X-Raumfahrttechniker Bill Gerstenmaier Anfang dieser Woche in einer Pressekonferenz mitteilte, hätte die Crew nichts davon bemerkt, erst nach ihrer Rückkehr zur Erde seien Verunreinigungen festgestellt worden.

Auch in einer zweiten Crew-Dragon-Kapsel wurden Urinspuren an Stellen gefunden, wo sie eigentlich nicht hingehören. Das bereitete den Space-X-Ingenieuren Sorge: Könnten menschliche Abwässer über längere Zeiträume Schäden an Materialien und technischer Hardware verursachen? Umfangreiche Untersuchungen brachten keine Hinweise darauf, sagte Gerstenmaier. Dennoch habe man sich dafür entschieden, das Problem umgehend – also noch vor dem nächsten Start – zu beheben.

Wenig Privatsphäre

Space X hielt sich bisher mit Details zum "Waste-Management-System" seines Raumschiffs recht bedeckt. Klar ist, dass es aufgrund der Mikrogravitation mithilfe von Unterdruck funktioniert, Exkremente werden quasi abgesaugt, ehe sie sich in der Schwerelosigkeit verteilen können. Ein sehr privater Rückzugsort ist die Weltraumtoilette aber nicht: Sie befindet sich an der Decke der Kapsel, die etwas mehr Platz als ein Wohnwagen bietet. Immerhin können Benutzer als Sichtschutz eine Art Vorhang zuziehen.

Der aktuelle Umbau des Toilettensystems dürfte Gerstenmaier zufolge bereits Erfolg gebracht haben: "Im Wesentlichen haben wir das Problem gelöst, indem wir eine vollständig verschweißte Struktur ohne Verbindungsstücke verbaut haben, die sich lösen könnten." Die Änderung muss noch letzten Sicherheitsüberprüfungen durch die US-Weltraumbehörde Nasa standhalten.

Wenn alles klappt, soll der Crew Dragon Montagfrüh (MEZ) vom Kennedy Space Center in Florida abheben und nach rund 22 Stunden Flugzeit an der ISS andocken. An Bord ist neben drei Nasa-Astronauten auch wieder ein europäischer Raumfahrer: Der Deutsche Matthias Maurer soll rund sechs Monate lang in der Raumstation bleiben. (David Rennert, 28.10.2021)