Blick über die Küste von Gaza.

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Gaza – Ein Militärgericht im Gazastreifen hat sechs Palästinenser wegen angeblicher Zusammenarbeit mit Israel zum Tode verurteilt. Gegen weitere "Informanten" seien Strafen verhängt worden, die von Zwangsarbeit bis zu lebenslänglicher Haft reichten, teilte das Hamas-Gericht am Donnerstag mit. Nach Hamas-Angaben wurden bei dem Prozess "alle rechtlichen Vorgaben erfüllt".

Die im Gazastreifen regierende radikalislamische Hamas geht scharf gegen Menschen vor, die sie der Kollaboration mit Israel verdächtigt. Im Jahr 2018 verurteilte ein Militärgericht sechs Menschen wegen Spionage zum Tode, darunter auch eine Frau.

Nach palästinensischem Recht müssen Todesstrafen von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas genehmigt werden, doch hat sich die Hamas im Gazastreifen bereits mehrfach über die Bestimmung hinweggesetzt. Erst Anfang des Monats hatte sich das in Gaza-Stadt ansässige Menschenrechtszentrum Al Mezan "zutiefst besorgt über die fortwährende Verhängung von Todesurteilen durch die Militärjustiz" in dem Palästinensergebiet geäußert.

Die Hamas hat immer wieder blutige Auseinandersetzungen mit Israel. Beim jüngsten elftägigen Konflikt im vergangenen Mai wurden nach Angaben der palästinensischen Behörden 290 Palästinenser – darunter viele Kämpfer – getötet. In Israel wurden durch palästinensischen Raketenbeschuss 13 Menschen getötet, darunter ein Soldat, wie Polizei und Militär mitteilten.

Die Hamas hatte 2007 gewaltsam die Macht im Gazastreifen an sich gerissen. Israel verschärfte daraufhin eine Blockade des Küstengebiets, die von Ägypten mitgetragen wird. Beide Staaten begründen die Maßnahme mit Sicherheitsinteressen. Israel, die EU und die USA stufen die Hamas als Terrororganisation ein. Die rund zwei Millionen Palästinenser in dem Küstengebiet leben nach Angaben internationaler Hilfsorganisationen unter schwierigen Bedingungen. Es mangelt an Trinkwasser und Strom. (APA, 28.10.2021)