Die weltweiten CO2-Emissionen nähern sich rapide dem Niveau vor Beginn der Corona-Krise an. Die fossilen Kohlenstoffemissionen waren 2020 um 5,4 Prozent gesunken, für das aktuelle Jahr ist jedoch wieder ein Anstieg von rund 4,9 Prozent zu erwarten. Zu diesem Schluss kommt das internationale Forschungsnetzwerk Global Carbon Project in einer aktuellen Analyse. Vom Emissionsrückgang, der durch Lockdowns, Reisebeschränkungen, Lieferengpässe und Produktionsrückgänge bedingt war, ist damit so gut wie nichts mehr übriggeblieben. Wenn Straßen- und Flugverkehr das Vorkrisenniveau wieder vollständig erreichen, könnte es 2022 sogar einen neuen Höchstwert geben, wie die Autoren der Studie warnen.

Der CO2-Ausstoß durch Kohle ist 2021 wieder deutlich höher als im Vorjahr. Im Bild: Kühltürme eines Kohlekraftwerks.
Foto: APA/Patrick Pleul

Die Emissionen aus der Nutzung von Kohle und Gas dürften demnach bis Ende 2021 insgesamt stärker ansteigen, als sie 2020 gesunken sind. Nur der CO2-Ausstoß durch Öl werde auf dem Niveau von 2019 bleiben, heißt es in der Studie "Global Carbon Budget 2021", an der 94 Wissenschafterinnen und Wissenschafter aus 70 Forschungsinstitutionen beteiligt waren. Die Analyse wurde zur Veröffentlichung im Fachblatt "Earth System Science Data" eingereicht, erste Ergebnisse wurden schon jetzt diskutiert.

Bedingungen für 50:50-Chance

2019 wurden 36,7 Milliarden Tonnen CO2 emittiert, 2020 kam es pandemiebedingt zu einem Rückgang auf 34,8 Milliarden Tonnen. Den Berechnungen der Forscher zufolge werden die fossilen CO2-Emissionen 2021 bei etwa 36,4 Milliarden Tonnen liegen.

Um eine 50-prozentige Chance zu haben, den Anstieg der globalen Temperatur auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, dürften künftig insgesamt nur noch 420 Milliarden Tonnen CO2 ausgestoßen werden. Dieses Budget wäre bei einem Ausstoß wie 2021 in weniger als zwölf Jahren aufgebraucht, heißt es in dem Bericht.

Überraschend schnelle Zunahme

"Der rasante Wiederanstieg der fossilen CO2-Emissionen im Jahr 2021 unterstreicht die Notwendigkeit sofortiger globaler Maßnahmen gegen den Klimawandel", sagte Pierre Friedlingstein von der britischen University of Exeter, der Erstautor der Studie. Die Entwicklung spiegle eine Rückkehr zur fossilbasierten Wirtschaftsweise vor der Krise wider, Investitionen in die grüne Wirtschaft hätten bisher nicht ausgereicht, um eine Trendumkehr zu erreichen.

Die Forscher hatten zwar einen Rebound-Effekt nach dem pandemiebedingten Einbruch bei den Emissionen erwartet. Wie die nun vorliegenden Abschätzungen zeigen, fällt dieser allerdings rascher und stärker aus, als vermutet worden war. "Dass es nach dem starken Emissionsrückgang im Vorjahr wieder einen Anstieg geben würde, war zu erwarten – aber das Ausmaß hat uns überrascht", sagte Glen Peters vom Center for International Climate Research in Oslo. "Vor allem beim CO2-Ausstoß durch Mobilität hatten wir mit einer langsameren Entwicklung über Jahre gerechnet, das ging aber viel schneller."

Grafik: Global Carbon Project/DER STANDARD

China Nummer eins

Wie ein Blick auf jene Länder zeigt, die am meisten zu den globalen Emissionen beitragen, hat China seine Führungsrolle seit Ausbruch der Pandemie weiter ausgebaut: Mit 11,1 Milliarden Tonnen an projektierten CO2-Emissionen im Jahr 2021 trägt China mehr als doppelt so viel zum globalen Kohlenstoffbudget bei wie die USA, die mit 5,1 Milliarden Tonnen auf Platz zwei liegen. Die EU liegt mit 2,8 Milliarden Tonnen 2021 erstmals beinahe gleichauf mit Indien mit 2,7 Milliarden Tonnen.

Unter den führenden Emittenten hat Indien mit einem Plus von 12,6 Prozent das größte Wachstum beim CO2-Ausstoß für das Jahr 2021 gegenüber dem Vorjahr aufzuweisen. Die EU und die USA kommen auf ein Plus von je 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In China sind die Emissionen gegenüber 2020 um 4,0 Prozent gewachsen – allerdings war China eines der ganz wenigen Länder, die 2020 keine rückläufigen Emissionen hatten.

Appell an die Politik

Für Corinne Le Quéré von der University of East Anglia verdeutlichen die Daten auch mit Blick auf die aktuelle UN-Klimakonferenz in Glasgow, wie dringend der klimapolitische Handlungsbedarf ist. "Wir dürfen nicht der Versuchung verfallen, uns von diesen Entwicklungen entmutigen zu lassen – internationale Zusammenarbeit zur Senkung der Treibhausgasemissionen ist wichtiger denn je. Die Entscheidungen in Glasgow können einen großen Unterschied machen."

Für Klimaschutzaktivisten geht in Glasgow indes zu wenig weiter. Sie kritisierten am Mittwoch die bisher getätigten Ankündigungen der Staats- und Regierungschefs als zu wenig verbindlich. (Tanja Traxler, David Rennert, 4.11.2021)